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Cesare Pavese: Sämtliche Erzählungen
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Marquis de Josilin
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BeitragVerfasst am: 12.01.2008, 10:26:53    Titel: Cesare Pavese: Sämtliche Erzählungen Antworten mit Zitat

Eröffnung der Leserunde zu


Cesare Pavese: Sämtliche Erzählungen

es lesen und diskutieren

peter sense
Marquis de Josilin


Wir lesen in der Ausgabe des Claassen Verlages:
Bd I: Die Nacht von San Rocco
Bd 2:Die Wiese der Toten

Für spätere Einsteiger: Es können natürlich auch andere Buchausgaben verwendet werden. Schließlich kommt es auf den Inhalt an. Laughing

Liebe Grüße
Marquis de Josilin
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Marquis de Josilin
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BeitragVerfasst am: 13.01.2008, 11:48:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Die ersten vier Erzählungen habe ich gelesen und schon kristalisieren sich zwei Erzählungen heraus, die mich besonders ansprechen: „Land der Verbannung“ und „Hochzeitsreise“.

Es sind Geschichten des Verlassenseins, Fremdheit, Einsamkeit und gerade diese beiden Erzählungen, schildern uns von Absurditäten des menschlichen Daseins. Damit sind wir, so glaube ich schon nahe an dem Typischen, was Paveses Erzählkunst ausmacht. Vor sehr vielen Jahren, habe ich schon einmal einen Erzählband gelesen („Die Selbstmörder, Fischer, TB). Diese von mir erwähnten Themen und die damit verbundenen Stimmungen beim Lesen, sind mir in Erinnerung geblieben, die Inhalte überhaupt nicht.

„Land der Verbannung“: Das Dorf, Einsamkeit pur, von der Welt verlassen.

„Der Strand war trostlos, aber nicht abstoßend. Gern ging ich so, so entsetzlich langweilig war es im Dorf, am Morgen oder gegen Abend de Strand entlang, auf den vom Wasser rund geschliffenen Steinen, weil ich mich nicht im Sand abplagen wollte.“

Das sagt schon einiges: Am Strand war es nicht so langweilig wie im Dorf.

Die Hauptperson ist nicht derr Ich-Erzähler, sondern der Mann, der einen Soldaten zusammengeschlagen hatte, der seiner Frau den Hof machen wollte. Das Absurde ist, der Mann wartet schon zwei Jahre auf seine Frau, die aber niemals kommt und schließlich auch nie mehr kommen wird. Verbannt in der langweiligen Öde des Dorfes....wartend.

Es kommt einer Verschwendung von Lebenszeit und Vergeudung von Energie gleich. Das menschliche Dasein, was völlig unsinnig erscheint, eigentlich belanglos. Die Frage nach dem Lebenssinn wird gar nicht gestellt. Der Erzähler ist nur froh, dass er wieder aus dem Dorf herauskommt.

In der „Hochzeitsreise“ ist der Mann mit einer Frau verheiratet. Der Mann aber, der die Einsamkeit einer Ehe vorzieht, warum ist dieser mit der Frau verheiratet? Auch hier erscheint die Ehe mit dieser Frau völlig sinnlos. Sie macht einen Aufstand, weil der Mann des Nachts nur mal alleine spazieren gehen wollte. Was tun sich Menschen an, warum tuen sie Dinge, die sie gar nicht wollen. Damit der Wahnsinn ihrer Ehe nicht zu sehr ins Bewusstsein tritt, macht er der Frau liebevolle (aber sparsame) Zugeständnisse, damit ihr Zusammenleben nicht auseinanderkracht.

Diese Entfremdungen, dieses offenbar Sinnlose, die Frage nach dem Dasein, genau, das ist es, was hängenbleibt.

Steckt in dem Absurden nicht ein wenig Camus drin?

Liebe Grüße
Josilin


Zuletzt bearbeitet von Marquis de Josilin am 04.02.2008, 21:04:37, insgesamt einmal bearbeitet
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peter sense
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BeitragVerfasst am: 13.01.2008, 21:13:44    Titel: Antworten mit Zitat

Stimmt, Josilin, an Camus musste ich auch denken. Vielleicht eher als Assoziation, als Chiffre als an das, was der geschrieben haben mag.

Die erste Geschichte, "Land der Verbannung" zeigte sich mir beim zweiten Lesen als weniger trost- und auswegslos, als weniger runterziehend als bei der Erstlektüre. Lag es am distanzschaffenden Bemühen um den analytischen Blick oder doch eher am tieferen Sicheinlassen? So wie der namenlos bleibende Ich-Erzähler, der Staßenbau-Ingenieur in der Rückerinnerung bedauert, der "heftigen, geheimnisvollen Art" des Landes nicht mehr Aufmerksamkeit geschenkt zu haben? Wir lernen den Verbannten beim Strandpaziergang des Erzählers kennen.

Der Strand ist "trostlos, aber nicht abstoßend ....gab mir Mühe, mich an den blühenden Geranienbüscheln oder an den mächtigen Agavenblättern zu freuen ... empfand Unbehagen bei den versandeten, abgerissenen oder zerfetzten Stücken von Feigenkateen ..."

Hier trifft er den Verbannten, der - wie der Erzähler - aus Norditalien kommt. Er betont, kein politischer Verbannter zu sein, hatte einem Soldaten aus begründeter Eifersucht die Fresse poliert. Obwohl nun beide Männer aus ganz unterschiedlichen Gründen hier sind, sieht auch der Erzähler seinen Aufenthalt als "eine Art Strafe" an.

(Für mich ist es ganz neu , daß damals (die Geschichte ist 1936 geschrieben) Menschen aus Strafe von Nord- nach Süditalien verbannt wurden. Ich dachte, soche Verbannungen hätte es nur in Russland/ Sowjetunion gegeben. )

Als 3. Hauptperson tritt der Bettler und Dorfdepp Ciccio auf, den ebenfalls eine Weibergeschichte aus der Bahn geworfen hatte. und der gelegentlich enorme Sentenzen absondert wie: "Wenn die Frau Sünde tut, gehört ihr der Spaß und dem Mann die Sünde. Soweit wir uns noch daran vergnügen können ..." Chiccio bekommt übrigens sofort seinen Namen, der Verbannte wird später benannt und der Erzähler nie.

Für mich sind die Frauen bzw das Verhältnis der Geschlechter das eigentliche Thema der Erzählung. Es ist so karg und "unfruchtbar" wie die Landschaft. Der Verbannte: "Ich bin hier und mach den Mönch, und die dort läßt sich schaukeln" Die Frauen werden in den heißen, kleinen Häusern gehalten, sind nie auf der Straße zu sehen, höchstens Kinder oder alte Weiber. Die Männer hingegen stolzieren herum, als hätten sie nichts zu tun. Besonders bedrückend erschien mir, als sie zusammenlegen, (und unser Erzähler ist mit dabei) ein Hure aus der Stadt kommen lassen, sie in einem Verschlag eingesperrt halten. "Der eine ging, der andere kam ..."

Als der Verbannten später erfährt, daß seine ferne Partnerin (sie waren nicht verheiratet) ermordet wurde, (übrigens von dem Soldaten) tut ihm nur leid, daß er das nun nicht mehr selber tun kann.

Laut editorischer Notiz hieß die Geschichte im Manuskript "Sterilita"

Für mich ist es faszinierend, wieviel "Welt" Pavese hier auf ca ein Dutzend Seiten packt, mit Abgründen, Reflexionen, Menschen, Landschaften voller Reichtum in dieser äußersten Kargheit.

Ich habe mir nicht die Zeit genommen, meine Eindrücke in einen ordentlichen Zusammenhang zu bringen, vielleicht mag man sie auch so lesen.

Grüße, Peter Sense
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peter sense
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BeitragVerfasst am: 13.01.2008, 21:22:23    Titel: Antworten mit Zitat

Übrigens würde ich nicht unterschreiben, daß der Ich-Erzähler NICHT die Hauptperson sei. Er ist es sozusagen rein formal, aber vielleicht ist dies eine Geschichte, in der das Land selber der eigentliche Protagonist ist. Keine Ahnung, ob wir die eine oder andere Geschichte auslassen wollen; ich will jetzt noch mal in die zwote, den "bösen Blick" gucken.
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Marquis de Josilin
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BeitragVerfasst am: 13.01.2008, 23:21:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

"Sterilita", das habe ich übersehen. Passt gut. Man muss sich das mal vorstellen. Die Bewohner sind im Dorf zu Hause , und der Ingenieur ist froh, wenn er wieder abreisen kann.

Ja, mit verhältnismäßig wenigen Worten eine Welt schaffen, eine Stimmung, das kann auch Pavese.

"Der böse Blick"


Hier sind die Mitarbeiter (von einer Buchhandlung oder Bücherei) einem Vorurteil verfallen. Im Betrieb gibt es einen Außenseiter, er wird jedenfalls als solcher mit Vorurteilen belegt. NUr deswegen, weil er anders ausschaut: Kahler Kopf, krumme Schultern. Besonders fallen seine Augen auf, die unter den Lidern eingesungen erschienen und wie ein Brunnen schimmern. Zuerst dachte ich, seine Augen seien feucht vom Weinen.

Nun, er habe einen bösen Blick wird gesagt (abergläubisch), oder er habe Schmerzen. Schmerzen wohl eher psychischer Art. Der Mann muss schicksalhafte Erlebnisse mit Frauen gehabt haben, und ist auf sie nicht gut zu sprechen.

Wieder das Thema Einsamkeit, aber ganz anders. Er vertreibt sie sich mit Bücher lesen. Abends nimmt er sie aus dem Geschäft mit, und ordnet sie am nächsten Morgen wieder in die Regale.

Ich werde sicher nicht oft, Inhalte so genau wiedergeben. Hier geschah es einfach so.

Der Mann also, enttäuscht von der Welt, lebt nur noch in seinen Büchern. Eine ertragbare Einsamkeit.


Wir müssen nicht unbedingt jede Erzählung besprechen. Bei so vielen Geschichten gefällt uns vielleicht die eine oder andere nicht, oder wir haben mal nicht soviel zu sagen. Ich denke aber, nach der Lektüre werden wir schön herausgearbeitet haben, worauf es Pavese ankommt. Mich interessieren z.B. auch Querverbindungen zwischen den Geschichten. Das Thema Einsamkeit z.B.

Mit der Geschichte "Weiberhaß" kann ich nicht soviel mit anfangen, komme nicht darauf, warum die Geschichte so heißt.

Die Story ist wie ein Puzzle aus einem größeren Film. Einem Päärchen, warscheinlich Geschwister, die offenbar von Italien nach Frankreich flüchten, geht das Benzin unterwegs aus.....

Liebe Grüße
Josilin


Zuletzt bearbeitet von Marquis de Josilin am 14.01.2008, 19:18:12, insgesamt einmal bearbeitet
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peter sense
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BeitragVerfasst am: 14.01.2008, 18:37:05    Titel: Antworten mit Zitat

Mir scheint inzwischen die Entwurzelung ein, wenn nicht das Hauptthema zu sein, daher auch der Gedanke an den Existenzialismus.

Den "bösen Blick"

würde man heute wohl eine Mobbing-Geschichte nennen. Der Ich-Erzähler, auch ein Gehilfe der Buchhandlung, schildert den Kollegen Gigi, den Mann mit dem "bösen Blick" allerdings als hilfsbereit und zurückhaltend. Er wird erst durch das gehässige Gerede Kassiererin darauf gebracht, ihn unheimlich zu finden. Mehr aus Versehen verplaudert er sich dem Chef gegenüber- und der arme Gigi wird gefeuert. Schreckliche Folge einer Denunziation aus Ahnungslosigkeit. Auch eine Entwurzelung, wie bei den Verbannten!

Die "Hochzeitsreise"

ist von einer fast quälenden Intensität. Der Mann, der Erzähler, läßt seine Frau auf der nachgeholten Hochzeitreise alleine, macht sie lächerlich und beschämt sie zutiefst. Im Rückblick tut ihm alles recht leid, hauptsächlich, weil er erkennt, daß er sie dringend gebraucht hat. Übrigens: diese Frau ist auch eine Waise, also sozusagen von Anfang an eine Entwurzelte - und scheitert grausam bei dem Versuch, in der Ehe ihre Wurzeln zu finden. (Die Hure aus, die da im morschen Stall hinter der Metzgerei untergebracht ist, immer an den geschlachteten Ziegenhälften entlang, ist übrigens auch eine Waise, "das sind die Besten", wie der Barbier weiß.

Zum "Weiberhaß"

Vielleicht erschließt sich der Titel doch noch. Jedenfalls scheint es mir eine Fluchtgeschichte, immerhin haben wir 1936, Hitler-Mussolini, Achse Berlin-Rom, Span. Bürgerkrieg. Ein Liebespaar ist es jedenfalls nicht, was da ohne Paß und Benzin bei der einsamen Herberge auftaucht und über die Grenze will. Guisto, der zusammen mit seiner Schwester die einsame Herberge bewirtschaftet, glaubt es wohl nicht. "Zeigt auf keinen Fall euren Pass", rät er seinen Gästen - wir erleben in dieser Geschichte das erste mal eine Art selbstverständliche, uneigennützige Solidarität. Starke Story, auch wenn wir nichts konkretes über das Woher + Wohin erfahren.

Nun erstmal Schluss für heute, Grüße,
Peter Sense

p.s.: qui est mombour?
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Marquis de Josilin
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BeitragVerfasst am: 14.01.2008, 21:51:02    Titel: Antworten mit Zitat

oh, le mombour. Eine andere Identität von mir (woanders; hab's korrigiert).

"Der Eindringling"

Der Eindringling ist der Erzähler, der in eine Zelle verlegt wird, in der sich der ältere und schwergewichtige Lorenzo befindet, der seine Zelle für seine eigene hält. Hier bauen sich Spannungen auf, da Lorenzo ein ganz anderer Typus ist, als der andere. Der Eindringling, unruhig und sich grämend, im droht der Verlust der Außenwelt (seine Frau). Seine innere Unruhe ist gut zu verstehen.

„Dies war die wirkliche Qual: das die Welt den Eingeschlossenen ausschloß. Ich sehnte mich nicht so sehr danach, hier herauszukommen, als das die Welt in meine Leere hineinkäme und sie mit Farbe erfülltem sie mit Gesten und Worten erwärmte.“
Lorenzo, so vermute ich, ist ein Alteingesessener, der solche natürlich kennt. Er ist Gefängnis erfahren. Es wird in der Erzählung angedeutet, dass die Gefängniswärter Methoden haben, die die Insassen zum Reden bringen. Zwischenmenschliche differenzen auf engem Zellenraum eskalieren natürlich. Der Eindringling ist ein Mensch mit großer Angst vor der Einsamkeit.

„Die drei Mädchen“

Junge Mädchen, die einerseits von Männern träumen, andererseits verspielt über Männer lästern. Schlecht behandelt wird man von ihnen, aber mit schönen Augen wickeln Mädchen sie um ihre Finger. Etwas weniger verspielt ist doch Lidia, sie beneidet nicht diese Stadtmädchen. Signora Ugolina, die älteste, warnt, man solle sich, was Männer betrifft nicht Illusionen hingeben.

Lidia ist diejenige, deren Reifeprozess zum Erwachsenensein wir miterleben. Sie ist, so möchte ich es sagen, die Nüchternste der Mädchen. Sie erlebt den Schmerz der Trennung, reift heran, als ein verheirateter Mann, ein Schürzenjäger, sie umgarnt, lässt sich von Männern nicht ausbeuten, sondern reift als sechzehnjähriges Mädchen heran. Sie kommt vom Lande, vielleicht macht auch das ihre Bodenständigkeit aus. Im Gegensatz zu Lucretta prahlt Lidia nicht herum (stille Genießerin), wenn Männerblicke sie erhaschen.

Es ist erstaunlich wie gewandt Pavese die vielen Charatere schafft. Ich habe übrigens die Erfahrung gemacht, manche der Geschichten lieber zweimal zu lesen. Man bekommt Angst, etwas zu überlesen.

Liebe Grüße
Josilin
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peter sense
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BeitragVerfasst am: 14.01.2008, 22:29:21    Titel: Antworten mit Zitat

Na, wenn wir was überlesen - egal, steht ja noch genug da.

(Aber natürlich gebe ich dir recht: Es erschließt sich gar nicht so leicht. Bei den drei Mädels beispielsweise hab ich kaum mitbekommen, wer nun gerade was sagte oder tat.) Vielleicht Kunstgriffe von Pavese, die uns das Überfliegen erschweren und uns zum Verweilen einladen. Im Gegensatz zu manchem Autoren, der seinen Kram verrätselt, um Tiefe vorzutäuschen, scheinen mir bei Pavese aber Schätze zu warten, die die Anstrengungen lohnen. Vielleicht jetzt zu pathetisch, aber die Richtung etwa.

Vom Lande und "entwurzelt" zumindest die Eine. Stark erschien mir ihre Erinnerung an ihren 1. Liebhaber und Verführer dort zu Hause, ein verheirateter Mann, der hinter jeder Schürze her war. War er der Grund für ihre "Landflucht"?
Auf einmal aber merkt sie, daß sie die Starke ist und er die Hanswurst. Sie läßt ihn warten und haut ab. Vielleicht ist es dieses Selbstbewußsein, welches ihr das Überleben in der Stadt ermöglicht.

Die Gefängnisstory hat mich nicht so angesprochen. Die Kommunikation bzw deren Misslingen zwischen den beiden Männern, die Frau des jüngeren, die sich von ihm lossagt und die Scheidung will, weil sie die Schande nicht ertragen kann, es überzeugt mich nicht so sehr wie die anderen Geschichten.

An der Titelerzählung, der "Nacht ..." lese ich gerade. Ob ich dieser Tage weiter komme, kann ich noch nicht sagen.

Grüße, Peter Sense
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Marquis de Josilin
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BeitragVerfasst am: 16.01.2008, 20:16:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo peter,

lass dir ruhig Zeit.

"Die Nacht von San Rocco"

Ein Pater betreut auf dem Lande schwer erziehbare Jugendliche. Tagsüber schuften sie schwer. Man hört von weit her Tanzmusik erklingen. Die Jungs aber sind vom wirklichen Leben abgeschlossen, und stehen sozusagen unter der Fuchtel des Paters, der auch den aufmüpfigen Biscione mehrmals sein Ave Maria u.a. vorbeten lässte, wenn er gesündigt hat.

Diese Geschichte hat mir sehr gefallen. Die Argumente der (sog.) Vernunft eines Paters gegenüber den normalen Bedürfnissen junger Menschen. Gegenseitige Rechtfertigen die nicht zu Kompromissen führen. Ich spüre die Machtausübung des unnachgiebigen Paters, der die jugendliche Freiheit der Jungs einschränkt, damit sie keine Dummheiten machen und aus der Ferne säuselt die Tanzmusik. Die Jungs, ausgegrenzt vom normalen Leben, und schamlos ausgenutzt, sie können nur träumen. Wirklich leben tuen sie nur im Gestank schwerer Landarbeit. Der Pater hat auch ein unliebsames Verhältnis zu seinen Tieren und es bäumt sich das Gefühl auf, er behandelt die Jungs nicht besser als das Vieh. Ja. so soll es verstanden werden.

Pavese hat Folgendes geschrieben:
Bei der Landarbeit ist es ein Glück, einfältig zu sein, nie über die eigenen Rinder hinaus zu sehen und dem Herrgott Dank zu sagen für das wenige Gute..
sagte der Pater.

Eine kleine Studie über Macht und Machtmissbrauch.

Liebe Grüße
Josilin
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Marquis de Josilin
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BeitragVerfasst am: 17.01.2008, 21:39:48    Titel: Antworten mit Zitat

„Freunde“

Zwei Freunde, sie erinnern sich an früher, natürlich auch an die Mädchen von früher. Der eine, der Rote, ist (wohl) erst aus Afrika heimgekehrt, ais dem Krieg. Celestino, der andere, ist inzwischen verheiratet und hat sich sehr verändert. Der Rote macht sich ein wenig lustig über ihn, weil er keinen Wein mehr trinkt. Seine Frau mag keine nach alkoholstinkenden Männer.

Pavese hat Folgendes geschrieben:
..sie würde nichts sagen wegen Carmela, aber sie würde in helle Wut geraten, wenn ich nach einem guten Trunk heimkäme.


Es fällt auf, der Rote erzählt von Afrikaerlebnissen, als ob der Aufewnthalt dort nur ein frivoles Abenteuer gewesen wäre. Doch der Ernst blinkt auch durch diese Geschichte

Pavese hat Folgendes geschrieben:
„Aber ich habe gemerkt: Krieg machen darf man nur zu vielen. Aber einen umbringen – das ist zum Verrücktwerden.“

„Hast du welche umgebracht?“ sagte Celestino und stand auf.
„Ich weiß nicht. Niemand weiß das. Ich habe sie gesehen, wenn sie schon tot waren. Das schon".


Ganz schön harte Sätze. Die unpersönliche Konfrontation mit dem Feind. Der Schütze am Abzug bekommt gar nicht das morden mit. Er drückt nur ab, der Feind ist so weit, dass er ihn gar nicht in die Augen blicken kann. Der Wahnsinn des Krieges. Umbringen wollte der Rote niemanden. Er wäre doch nie so unbekümmert geblieben, wenn es ein Kampf von Mann zu Mann gegeben hätte. So macht er sich humorvoll ein wenig lustig, dass Celestino seine äußere Freiheit aufgegeben hat, in dem sein Freund in den Stand der Ehe eingetreten ist.

Ob er wenigstens Orangensaft trinken darf, fragt der Rote. Mr. Green

"Sommergewitter"

Handelt von zwei rauhen Knastbrüdern, die mit dem Boot auf dem Po fahren. Zwei Frauen auf einem anderen Boot. Die menschliche Kälte der jungen Männer ist erschreckend. In "Der Nacht von San Rocco" waren wilde Jungs noch in der Obhut eines Paters. Diese Erzählung ist nicht so hintergründig, darum verliere ich hier nicht so viele Worte.

Liebe Grüße vom Marquis
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peter sense
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BeitragVerfasst am: 17.01.2008, 23:22:16    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Josilin,

ich habe mir noch mal die Geschichte "Weiberhaß" vorgenommen. Ich fand sie so beeindruckend in ihrer präzisen Ziellosigkeit.

Mich hat interessiert: warum der Titel?
Der Wirt Giusto ist eindeutig ein Misogyne. Kein Gedanke, keine Bemerkung über seine Schwester oder seinen weiblichen Gast ist irgendwie positiv oder erkennt die Frau überhaupt als Mensch. Es gibt wenige Bemerkungen, die aber zusammengenommen eindeutig sind. Die bösartige Aussage über die Heiratsaussichten seiner Schwester (obwohl er ihr gegenüber ja ein "Gerechtigkeitsgefühl" sich erlaubt) die höhnische Spekulation über eine mögliche Niederkunft der Frau, Die Worte bei der Verabschiedung der Gäste - ("die Frauen kommen immer heil heraus") das ist recht eindeutig.

Und was ist eigentlich mit dem Flüchtlingspaar los?
Wir sind auf die Spekulationen Giustos angewiesen. Und der weiß nichts. Der junge Mann hingegen: "wäre ich unschuldig, dann ginge ich sofort ins Gefängnis ..." trägt letztlich auch nichts zur Aufklärung bei. Ich fürchte, Pavese will es uns einfach nicht wissen lassen. Gut so.

Liebe Grüße,
Peter Sense
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peter sense
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BeitragVerfasst am: 17.01.2008, 23:24:00    Titel: Antworten mit Zitat

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peter sense
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BeitragVerfasst am: 17.01.2008, 23:26:48    Titel: Antworten mit Zitat

Text 2 mal - kann man nicht löschen anscheinend
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Marquis de Josilin
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BeitragVerfasst am: 19.01.2008, 11:58:47    Titel: Antworten mit Zitat

@peter: ein Moderator kann in seinen zugewiesenen Abteilungen löschen. Wenn jemand möchte, dass einer seiner Beiträge gelöscht werden soll, so wende er sich an die Modis, in moderationfreien Zonen an den Administrator.

Im Zusammenhang mit unserer Lektüre der Erzählungen von Pavese, habe ich das Bedürfnis, den geschichtlichen Hintergrund anzudeuten. Die geschichten des ersten Bandes entstanden 1936-38 ).

In „Freunde“ kämpfte „der Rote“ in Abessinien(=Äthopien). Mussolini fiel 1935 in Abessinien ein. Das Land wurde von grausamen Massakern überrollt, es gab sogar Konzentrationslager. Aus welchem Grunde normale Bürger in Italien selbst verbannt wurden, weiß ich nicht, aber es war wohl üblich Ich verweise auf unsere erste Geschichte („Land der Verbannung“). Pavese schrieb auch den Roman „Die Verbannung“. 1935 wurde Pavese für neun Monate nach Kalabrien verbannt.

In „Kanallien“ begegnen wir wieder einen Pfarrer, diesmal ist es ein Geistlicher, der in die Verbannung geschickt werden soll. Das Gefängnis, in dem diese Geschichte spielt, ist ein Übergangsgefängnis, wo straffällige ersteinmal hinverfrachtet werden, bevor sie richterlich verurteilt werden. (es wäre natürlich interessant zu wissen, warum Geistliche unter Mussolini in Verbannung geraten konnten). In „Kanallien“ finden wir über die Gründe nur Andeutungen.

Die Verantwortung der Gefängniswärter war groß. Ein Insasse ist geflüchtet, und schon hat der zuständige Gefängniswärter Angst vor Konsequenzen. Die Diktatur spürt hier jeder im Nacken, so ist es doch.

Mir gefällt es sehr, wie sich die Geschichte aus Andeutungen entwickelt, z.B. der Grund, warum Rocco geflohen ist (es geht auch hier um eine Frau). Großartige Konstruktion der Geschichte als Ganzes.

Das ich in „Weiberhaß“ nicht gemerkt habe, warum die Geschichte diesen Titel trägt, beweist mal wieder, wieviel Aufmerksamkeit die Lektüre dieser Erzählungen abverlangt (danke, peter sense).Für zehn oder fünfzehn Seiten ist eine Stunde Lesezeit ist für realistisch.

„Das Idol“ ist eine herrliche Geschichte, in der Frauen sehen können, wie Männer leiden, wenn sie eine bestimmte Frau nicht bekommen können. Inhaltlich etwas verwandt mit Dino Buzzatis Roman „Amore“. Mina, eine Freundin des Erzählers, arbeitet inzwischen in einem Bordell....Die Geschichte ist im Verhältnis zu anderen Texten sehr leicht zu verdauen; mir gefällt`s. So ein Thema ist literarisch ziemlich schwer umzusetzen, weil leicht Gefahr besteht, ins Triviale abzurutschen . Aber Pavese, wie auch Buzzati in seinem Roman, beherrscht das Thema souverän. Man schaue doch mal nur herüber zu Stefan Zweig „Brief einer Unbekannten“ (darin geht es um eine Frau); das ist mir einfach zu schwülstig.

Liebe Grüße
Marquis de Josilin
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peter sense
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BeitragVerfasst am: 20.01.2008, 21:01:09    Titel: Antworten mit Zitat

Die Nacht von San Rocco

Zuerst hatte ich geglaubt, es handele sich da um eine Ortsbezeichnung, das hat dann aber gar nicht zum Text gepasst. Dank wiki & google: San Rocco, dt. der hl. Rochus, ist ein ganz prominenter Heiliger, Nothelfer, auf Tizian-Gemälde in Venedig, Namensgeber vieler Kirchen, Bruderschaften, Krankenhäuser, gelegentlich auch fürs liebe Vieh zuständig, . In Montpellier als reicher Sohn geboren, ererbtes Vermögen verschenkt, gewandert, Pestkranke gepflegt, selber erkrankt, in Piacenza wunderbarerweise, von Engeln gepflegt, genesen, usw usw. Sein Namenstag ist der 16. August - prima Termin für ein Sommerfest. Der Restwein muss weg, vor dem Ernte-Endspurt nochmal richtig Schwung holen.

Nun zur Story.

Es treten auf: Ein Lehrer, ein Pater, ein paar Zöglinge, Kneipenmagd (oder -wirtin?), Schaustellerin und eine Menge Gestank.

Um gleich auf Deine Bemerkung, Josilin, von der kleinen "Studie über Macht und Machtausübung" einzugehen: auch vom psychoanalytischen her - das Anale, Macht, Einfluss - ist das sicherlich eines der Motive, die die Geschichte untergründig vorantreiben. (Und bei dem Gespräch ist es auch ganz offensichtlich.)

Am Anfang der Geschichte erleben wir mit, wie die Zöglinge auf der Tenne arbeiten. Sie müssen dort Jauche ausbreiten, laufen barfuß durch die Masse und verteilen sie. Auch der Lehrer tritt in dieser Szene auf, er hat sich vorher schnell noch am Güllefass erleichtert. Mich würde, nebenbei gesagt, interessieren, ob wir es hier bei dieser Dünger-Aufbereitung mit einem damals gängigen landwirtschaftlichen Verfahren oder einer besonderen Schikane des Paters zu tun haben. Bislang war ich immer der Meinung, eine Tenne diene z. B. zum Korndreschen - eklige Vorstellung, diese mit menschlichen Exkrementen imprägniert zu wissen. Daß es sich hier nicht um Rinderdung hadelt, wird uns ausdrücklich klar gemacht. Nun, auf jeden Fall werden wir mit der Szene auf eine Geruchsnote eingestimmt, die die ganze Story durchzieht.

Von Ferne erklingt die Tanzmusik des Festes, der Nacht von St. Rocco, aber die Burschen sind eingesperrt. (Natürlich kneift mal einer aus)

Die Burschen schwärmen vom Fest, erzählen von einem kopulierendem Paar im Gebüsch sowie der blonden Schaustellerfrau im rosafarbenen Trikot, beispielsweise, wenn sie endlich auf ihren Strohsäcken im Schlafraum liegen, mit stinkenden, ungewaschenen Füßen. -

Biscione, den cleversten von ihnen treffen wir nachts wieder, mit einer Sichel bewaffnet. Es ist unklar, was er vorhat, ausbüchsen oder irgendwas mit der Sichel anstellen - jedenfalls steigt er beim Pater ein, und es entwickelt sich (nach heftigen Drohungen und Auf-die-Knie-zwingen) so eine Art Personalgespräch, bei dem es um Lohn, freie Tage etc geht. Überaus spannend. (Ob was davon eingehalten wird? Gewisse Indizien, daß es sich nur um Hinhaltetaktik handelt (Pater muß erst den Prior fragen etc) sind vorhanden, so daß dem Knaben evtl nur das Glas Wein bleibt, daß er vom Pater ergattert.)

Später treffen wir den Lehrer wieder beim Fest in der Schenke. Geruch nach Schweiß und Wein. Er schaut (und hört zu) dem Gespräch zwischen der Schank-"Magd" und der "Blonden", der Schausteller-Frau im hautengen rosa Trikot. Sie reden u. a. über ihre Männer, ... Dies ist der zweite ausführliche Dialog in der Geschichte. Später gehen die "Blonde" und der Lehrer hinaus an die frische Luft. Die Anbahnung "Ist ihnen dieser Trikot nicht zu warm ..." - also das muß man wirklich selber lesen.

Auf mich macht das Ganze einen statischen, geradezu archaischen Eindruck. Es wirkt absolut authentisch, wie die Menschen hier scheinbar unveränderlich in ihren vorgegebenen Bahnen laufen, nur der Zögling Biscione lehnt sich deutlich auf. Zwar wird gefeiert, daß es kracht, und der Pater wettert anscheinend vergebens dagegen an, aber über allem liegt doch die Dunstglocke eines uralten Gestanks. (dem man durchaus noch viel genauer nachschnüffeln könnte als ich es hier getan habe)

Sorry, daß es nicht kürzer ging.

Liebe Grüße, Peter Sense
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Verfasst am: 20.01.2008, 21:01:09    Titel: Ähnliche Themen



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BeitragVerfasst am: 22.01.2008, 22:02:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Peter,

so wie ich das verstehe, hat der Boden einer Tenne meist einen Lehmboden, der von Kuhmist gesäubert wird; anschließend der der Jauchegrube zugeführt wird. Siehe auch in Google unter Stichwort "Landwirtschaftliche Bauten der Viehwirtschaft".

Bauern, die sehr von der Zivilisation abgeschieden lebteb/leben, vergruben/vergraben ihre Exkremente auch in neuerer Zeit noch irgendwo in der Landschaft (jedenfalls weiß ich das von einem Bauern in der Auvergne).

"Erste Liebe"

Eine Geschichte über zwei Jungens, dreizehn und vierzehn Jahre alt. Wörüber spricht man in dieser Zeit? Von Frauen. Berto ist, das wird mehrmals angedeutet in eine der Schwestern von Nino verliebt. Er ist aber verschämt und kann seine Gefühle nicht einordnen. Da gerade ein Kalb geboren wird, kommt es zwischen den Jungens zur Frage, wie KInder geboren, und, sei man denn schon dabei gewesen. Also jugendliche Neugier. Der eine will natürlich mehr wissen , als der andere.

Dann gibt es noch Bruno, der sich mit Clara, einer von Ninos Schwestern, in einem Landhaus heimlich trifft. Die Jungens nimmt er als Aufpasser mit. Sie sollen Hupen, wenn ein Auto, die Straße heraufkommt. Berto weiß nicht so recht, worum es da geht, Nino ist da aufgeweckter.

Das muss einfach gelesen werden. Sehr glaubwürdig, sehr fantastisch, wie Pavese sich in die Jungens einfühlen kann. Es scheint so, als ob der Autor so aus dem Bauch herausschreibt, dabei steckt mit Sicherheit sehr viel Arbeit dahinter. Sehr schön, diese Kunst des Schreibens. Wirklich mal Lesen.

Warum lässt man Pavese in Deutschland in den Antiquatiatszustand wandern? Völlig unverständlich.

Liebe Grüße
Josilin
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peter sense
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BeitragVerfasst am: 23.01.2008, 09:52:59    Titel: Antworten mit Zitat

Die Geschichte "Freunde" hat mich nicht so sehr in Bann gezogen. Sie behandelt eher das Ende einer Freundschaft ... Der Eine will saufen, um seine Abessinien-Kriegserlebnisse zu vergessen, so dürfen wir vermuten, der Andere will es nicht aus Rücksicht auf seine Frau, die ein Baby erwartet. Interessant scheint mir vor allem, wie die kindische, schulhofhafte Umgehensweise der beiden Männer miteinander dargestellt wird. Sie können es untereinander auch nicht besser als mit ihren Frauen...
Wir haben hier das auch das Problem der "Kriegsveteranen", die sich nach ihrer Rückkehr zu Hause nicht mehr zurechtfinden.

Das "Sommergewitter" scheint mir von einer kaum zu steigernden Härte. Es ist enorm, wie in diesem sachlichen, kühlen Stil von dieser absoluten Fühllosigkeit der beiden Männer dargestellt wird. Die zwei Typen sind moralische Monster, der Gewittersturm tobt, zwei Frauen ertrinken, eine wird vorher vergewaltigt, aber Pavese bleibt kalt wie Hundeschnauze.

In "Kanaillen " sehe ich so etwas wie eine Fortschreibung der ersten Gefängnisgeschichte, mit erweitertem Personal und mehr Handlung. Und den unteren Chargen des Wachpersonals geht es im Grunde auch nicht besser.
Zitat:
Warum lässt man Pavese in Deutschland in den Antiquatiatszustand wandern? Völlig unverständlich.

Ja, Josilin, es ist schon erstaunlich, wie wenig der Buchmarkt dafür sorgt, daß Werke ihrer Qualität entsprechend verfügbar sind. Siehe auch Roquairols Klage im Lese-Ordner.

Liebe Grüße, etwas nachhinkend,
Peter Sense
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Marquis de Josilin
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BeitragVerfasst am: 25.01.2008, 22:49:10    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

„Die Selbstmörder“

„Ein Mann im völligen Lebensüberdruss, der sich „gewohnt und doch fremd, etwa wie in jenen Augenblicken, wenn man sich im Spiegel betrachtet und sich fragt: >Wer ist das wohl?< Für mich sind das die einzigen liebenswerten Tage im Jahr.“

Er sagt über sich, er fordere nichts vom Leben, als dass er es betrachtet. Als Außenstehender also das Leben in den Straßen betrachten. Nimmt er denn überhaupt noch am Leben teil. Dieses frage ich mich. Er trifft sich mit einer Frau, die von ihrem verheiratetem Mann getrennt lebt. Wenn er mit ihr, sie heißt Carlotta, Nächte verbringt, verlässt er sie vorzeitig, um noch alleine irgendwo herumzuschlendern.

Pavese hat Folgendes geschrieben:
Es sollte ein für allemal klar sein, daß wir uns nur aus Langeweile liebten, aus schlechter Angewohnheit, aus irgendeinem beliebigen Beweggrund...


aber nicht aus bewegter Leidenschaft. Nein, das will er nicht: „...schlag es dir aus dem Kopf in mein Leben einzudringen, „ sagt er zu ihr.

Er ist schon dem Leben entronnen, er verweigert ihr zärtliche Zuneigung. Wie ein Toter unter den Lebenden. Es ist wohl so, dass er mit dem Leben sowieso schon längst abgeschlossen hat. Es wird erzählt, einige Jahre von Enttäuschungen und brennenden Gewissensqualen habe in seinem Leben schon erlitzten, und nun hat er offensichtlich jede persönlichen Gefühle sozusagen abgeschnitten. Er wünscht sich nur noch Ruhe und Frieden. Die großen Lebensenttäuschungen, die Menschen dazu bringen, lieber nicht zu leben, als dass sie noch einmal eine Entttäuschung erfahren. Diese Resignation ist schon so etwas wie Selbstmord. Existieren tut der Herr schon, mehr aber auch nicht. Ein tragisches Ende hat Carlotta, die ja die Leidenschaft spürt, an den Mann aber nicht herankommt.

Die Teilnahmslosigkeit am Leben, das Leben in Sinnlosigkeit, erinnert mich doch irgendwie an „Der Fremde“ von Camus.

„Sie parva licet“

Paveses kleines Drama vom Sündenfall ist aus der Sicht neuerer Kommunikationsforschung interessant. Wie sich Adam und Eva zu Beginn unterhalten, günstiger können sie es kaum tun, wenn sie einen Streit provozieren wollen. Tja, diese Streitereien zwischen den Geschlechtern. Da sind sie doch beide ganz allein und dann das. Der HERR ist nicht gewillt in diesen Streit einzugreifen. Er lässt quasi seine Schöpfung freien Lauf. Eva ist nur des Nachts bei Adam, „weil du“, so sagt Eva, "wenn du mich beständig sähest, meiner müde würdest".

Wir sehen also, anhand von Adam und Eva wirft der Autor einen Blick über die komplizierten Beziehungen zwischen den Geschlechtern. Und natürlich, ach, wie im Alten Testament greift Eva zum Apfel.

Pavese hat in manchen seiner Werke Frauen ziemlich ungünstig dargestellt. In „Unter Bauern“ erreicht Gisella die Rache, die eigentlich auf Berto abzielt, in „Der schöne Sommer“ heißt es,

Pavese hat Folgendes geschrieben:
War Amelia im Badeanzug, so sah man ihre hervorstehenden Hüften, und äußerlich ähnelte sie ein wenig einem Pferd.


Das nur nebenbei, aber in „Die Selbstmörder“ kommt Carlotta sehr schlecht weg, weil der Erzähler von ihrer Weiblichkeit nichts wissen will. Vielleicht verrät mir die Biografie „Kadenz des Leidens“von Davide Lajolo warum Pavese in seinem Werk Frauen sehr oft ungünstig darstellt. Ach ja, in „Hochzeitsreise“ ist die Ehe sinnlos und in „Sommergewitter“ ertrinken zwei Frauen, obwohl sie gut schwimmen müssten, weil sie bei einem Bootsverleih arbeiten.

Liebe Grüße
Josilin
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peter sense
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BeitragVerfasst am: 25.01.2008, 23:13:31    Titel: Antworten mit Zitat

Über "Das Idol" hat Marquis de Josilin schon das Wesentliche gesagt. Mir gefiel besonders, daß hier der Beziehungs-Spieß mal umgedreht wird und der Mann zu leiden hat. Als böse Konsequenz könnte man überspitzen: Will die Frau einmal das Heft in der Hand behalten, muß sie schon als Hure gehen.

Der von dir genannte Dino Buzzati ist mir bislang gänzlich unbekannt. Klingt interessant. Zu dem "schwülstig"- Urteil an die Adresse von Stefan Zweig: Gewiss. Es existiert das Postulat, die große Lüge von der "romantischen Liebe". Es ist ein gesellschaftliches Tabu. Und Viele sind mehr oder weniger stark davon erfasst, eben auch gute Autoren, somit an seiner Aufrechterhaltung ebenso mitwirkend wie gewisse Hollywoodschinken. Pavese scheint davon völlig frei zu sein, wie die von mir an anderer Stelle erwähnte Dorothy Parker (die literarisch zwar ganz anders vorgeht, aber, wie ich finde, in der gleichen Klasse spielt) Daher diese Härte und Klarheit.

Bei "Erste Liebe" hat mich erstaunt, daß Pavese auch diese Charactere der Jungen so "einfühlsam" und doch hart und klar hinbekommt. Alles, wie gehabt, ohne Zuckerguss und Sahnehäubchen, aber es sind mildere Schrecken. Nebenbei: Es ist vielleicht auch zu fragen ob die "erste Liebe" nicht zuerst auch den so viel feiner und anders erscheinenden Freund und nicht nur eine seiner Schwestern betrifft? Vorgemerkt zum Nochmallesen.

"Die Selbstmörder" schließt thematisch an die "Hochzeitreise" an und ist wieder so eine trost- und auswegslose Quälerei einer Frau durch einen unreifen, gefühllosen Mann. Diese Geschichte ist womöglich noch psychologischer durchkonstruiert und begründet als jene. Der Typ, Icherzähler, breitet geradezug genüsslich sein Selbstbild als harmlos-kontemplativer Mensch vor uns aus, und wenn man dann sieht, wie unverhüllt sadistisch er handelt ...

Es folgt ein kleines Drama in drei Szenen, Adam, Eva, Sündenfall,Vertreibung aus dem Paradies. Ich habe das Thema schon oft behandelt gelesen, aber selten so witzig. Die erste Beziehungskiste, sozusagen, keine schwere Kost, zum Generalthema aufschließend.

Im "Haus am Hügel" wohnt bessere Gesellschaft, und die kriegt der Pavese auch noch hin. Vieles liegt in der Luft, wird nicht ausgesprochen, und mich fröstelt bei dieser Story fast noch mehr als bei den ausgesprochen "knallharten" Sachen.

Für heute genug, liebe Grüße, Peter Sense

(Jetzt schick ich das erstmal ab, dann lese ich deinen Beitrag)
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peter sense
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BeitragVerfasst am: 25.01.2008, 23:20:33    Titel: Antworten mit Zitat

Bei den "Selbstmördern" hat sich, wie vom Prot. erzählt, früher ein Freund umbegracht, in der Geschichte selbst, von ihm erstmal lange nicht wahrgenommen, die Freundin. Es scheint also etwas (selbst-) mörderisches von ihm auszugehen ...

Ich habe die Stories bisher ausschließlich so gelesen, daß die Protagonisten die Frauen so oft schlecht wegkommen lassen, nicht Pavese. Oder siehst du das anders? Die Typen sind (oft) stark und starr infantil und undifferenziert. Die Frauen sind natürlich keinen Deut besser, aber doch oft differenzierter und mit ihren Schwächen und Stärken feiner ausbalanciert. Es geht vermutlich weniger um ein Täter/Opfer-Schema als um die "Mechanismen" des Geschlechterkampfes. Aber das nur mal ganz holzschnittartig dahergesagt.
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Marquis de Josilin
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BeitragVerfasst am: 27.01.2008, 16:07:05    Titel: Antworten mit Zitat

peter sense hat Folgendes geschrieben:


Ich habe die Stories bisher ausschließlich so gelesen, daß die Protagonisten die Frauen so oft schlecht wegkommen lassen, nicht Pavese. Oder siehst du das anders?


Selbstverständlich ist es grundsätzlich so, dass literarische Werke unabhängig von der Person des Autors verstanden werden müssen. Auf diese Weise kann auch das Werk Paveses gelesen werden. Trotzdem spiegelt sich Pavese selbst in seinem Werk wieder, gerade wenn es um Einsamkeit, um Frauen und um Selbstmord geht.

So wirft auch die Erzählung "Die Selbstmörder" einen realen Blick auf den Autor. Der Erzähler spricht von einer Lebenskrise, die ihm fast das Leben gekostet hätte. Es ging um eine Frau. Pavese erwähnt sie in einigen Gedichten als "die Frau mit der rauhen Stimme". Im Zusammenhang mit seinem Kontakt zu antifaschistischen Gruppierungen ist Pavese in die Verbannung geschickt worden und des Dichters einzige bedeutsame Liebesbeziehung ging im Zuge dieses Vorfalls zu Grunde. Seine Freundin, dessen Namen der Biograf Davide Lajolo nicht nennt, wurde von den Faschisten frei gelassen, er nicht. Über dieses Tragikum ist Pavese niemals hinweg gekommen. In dieser Langeweile, diesem Lebensüberdruss spiegelt sich in der Geschichte Pavese selbst wieder. Seit diesem Tragikum kommt er von den Gedanken an den Selbstmord nicht mehr los. Der Selbstmord eines Jugenfreundes, wie er sich in "Die Selbstmörder" zugetragen hat, ereignete sich in ähnlicherweise. Ein Jugendfreund Paveses wollte sich mit einem Mädchen unter einem Baum erschießen. Das Mädchen starb, der Junge überlebte. Daraufhin nahm sich Pavese eine Pistole, lief zu dem Baum, wollte sich erschießen, schoss aber auf dem Baum. Danach fiel er in eine Krise.

Dem Frauenproblem widmet sich Lajolo in zwei Kapiteln (insgesamt 42 Seiten). Ich kann es hier nur ansprechen. Wie schon gesagt, Frauen kommen in Paveses Werk meist ziemlich schlecht weg. In diesem Falle hat es mit dem Autoren selber zu tun. Das ist alles sehr tragisch, nicht zufällig heißt die Biografie "Kadenz des Leidens".

Liebe Grüße
Josilin
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BeitragVerfasst am: 27.01.2008, 18:39:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Josilin,
vielen Dank für die biografischen Hintergrundinformationen. Sie sind interessant, erklären sicherlich auf einer bestimmten Ebene eine ganze Menge, und ich habe diese Sicht bislang komplett vernachlässigt.

Aber, nachgefragt und insistiert, was heißt "schlecht wegkommen"?
- Sind sie moralisch verkommener?
- Bekommen sie ein größeres Leidenspacket aufgebürdet?
- Werden sie im Erzählerischen unterbelichtet bzw gegenüber den Männern vernachlässigt?
- Sind sie als geistig oder körperlich als besonders schwach oder inferior dargestellt?

Das müsste man wohl mal auseinanderklamüsern.

Mit dieser Zwischenfrage erst mal liebe Grüße
Peter Sense
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Marquis de Josilin
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BeitragVerfasst am: 27.01.2008, 19:56:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo peter sense,

Frauen sterben, werden umgebracht, begehen Selbstmord ("Die einsamen Frauen" beginnt mit einem Selbstmordversuch und endet mit einem Suizid). Sie werden mit Tierhaftem belegt wie in "Land der Verbannung":

Zitat:
Die Frauen sind Hündinnen.


oder sie ist wie in "Das Idol" für den Mann nicht erreichbar. Die Frau entscheidet sich für jemand anderem.

Pavese formulierte im Januar 1938 selber so:

Zitat:
Dies ist entgültig: alles wirst du vom Leben können außer dem einem, daß eine Frau dich ihren Mann nennt. Und bisher war dein ganzes Leben auf diese Hoffnung gegründet. (Lajolo, Seite 122).


Im Roman "Unter Bauern" heißt es:

Zitat:
mit zwanzig Jahren hatte sie die Haut eines Mannes um die vierzig und ließ einen an den gehäuften Teller denken, von dem sie aß.. (in Lajolo, Seite 106)


Noch mehr Beispiele ließen sich bis ultimo anführen.

"Haus am Hügel"

Die Anspielungen in dieser Erzählung sind so vage, dass ich mir den Inhalt nicht exakt zusammenreimen konnte. Der junge Mann hatte wohl mal etwas mit der Gastgeberin. Sehr seltsam aber. In dieser geschichte wurde nach meinem Verständnis zuviel weggelassen.

Mit Anspielungen spielt Pavese auch in "Das Kornfeld". Darin lese ich aber vielmehr hinaus. Die Beziehung zwischen Amalia und Remo. Amalia sehnt sich danach, dem Leben als einfaches Bauernmädchen, welches wie ein Dienstmagd in der Küche schläft (ich las von einem Dienstmächen bei Bunin, die ebenfalls am Arbeitsplatz schlief Mr. Green ). Sie nimmt aber zu zögerlich ihre Chance war, ihr Ziel durch die Liebe des Rennfahrers Remo zu erreichen und verpasst ihre Chance. Der andere Aspekt der Geschichte sind die Gegensätze zwischen Städtern und den Menschen vom Dorf. Ob so eine Beziehung gehalten hätte, muss im Ungewissen bleiben.

Liebe Grüße
Josilin, der sich nun an die letzte Geschichte des ersten Bandes heranmacht. Smile

P.S.: Inzwischen habe ich Cesare Pavese sehr liebgewonnen. Da wird noch so einiges vom Piemonteser gelesen.
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peter sense
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BeitragVerfasst am: 28.01.2008, 21:55:36    Titel: Antworten mit Zitat

Ist das nun so zu verstehen, daß die Frauen bei Pavese so schlecht wegkommen, weil ihnen übel mitgespielt wird?

Ich habe mal vor Jahrzehnten, ich glaube, im "Kursbuch" einen Bericht gelesen, daß die es in Süditalien für die Frauen üblich war, beim Duschen ein Hemd anzubehalten. Damit sie nicht direkt mit ihrem Körper in Kontakt kamen. Zu diesen Frauen nun kamen die revolutionären, aufgeklärten Frauen aus den großen Industriestädten und wollten ihnen die Emanzipation beibringen.

Nochmal zum "Land der Verbannten". Die "Hündinnen" habe ich nicht gefunden, aber auf S. 13 sagt der Verbannte: "Die Frauen sind Luder"
Mir will aber scheinen: Wo Pavese Motive, Handlungen, Vorgeschichten, Entwicklung etc ausbreitet, sind die Männer ihnen an Laster- und Luderhaftigkeit weit voraus.

Die wiedergefundenen Jugendliebe in der Erzählung "Idol", die mittlerweile als Hure arbeitet, (warum, wird zumindest angedeutet) hat sich nicht einfach nur für "jemand anderen" entschieden, sondern sie weiß genau und erklärt es "ihm" immer wieder, daß der alte Zustand nicht restauriert werden kann. Dennoch weist sie ihn nicht komplett ab; sie nimmt nicht mal Geld von ihm ... Ich finde die Story eine sehr gelungene Illustration des Topos von der Frau als Hure / Heilige.

Beim "Haus am Hügel" geht es mir auch so: zu verworren, bin nicht durchgestiegen. (War mir dann auch nicht interessant genug, weiß demnach nicht, obs an mir oder der Story liegt)
Aber, lies doch noch mal ganz langsam und behutsam den Anfang, die Einleitung der Geschichte auf S. 239, etwa bis zur Begegnung des Ich-Erzählers mit dem blonden jungen Mann. Ist es nicht literarisch allererste Klasse, wie hier eine Stimmung, eine Impression aufgebaut wird, ganz sinnlich und greifbar? Mir kommt es vor wie gewisse Jazz-Stücke, wo am Anfang eine ganz klare, einfache melodische und rhythmische Struktur steht, die dann zunehmend von den Akteuren zerlegt wird, bis nur noch ein wildes, anarchischs Wühlen, Wüten und Ringen vernehmar ist.

"Das Kornfeld" ist wieder eine sehr geschlossene, sehr "übersichtliche" und auch sehr bittere Geschichte. Das Mädel hat letzlich keinen Platz mehr auf der Welt. Bei ihrem Geliebten nicht, denn der scheint ja nur mit ihr zu spielen. Bei ihren Freunden nicht, bei ihrer Familie, vertreten durch den Vater, auch nicht. (In dieser Geschichte kommt Suizid nicht vor, aber wenn man den Zusammenhang herstellen will: wer keinen Platz auf dieser Welt sieht, vermag sich aus ihr entfernen)

Eine Mutter gibt es auch - aber wir erfahren wenig, fast nichts von ihr. Ist dir auch aufgefallen, daß Mütter im Kosmos dieser Geschichten so gut wie nicht vorkommen?

Liebe Grüße,
Peter Sense
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Marquis de Josilin
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BeitragVerfasst am: 30.01.2008, 22:03:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ja sicher, die schöne Einleitung in "Haus am Hügel" ist mir nicht untergegangen. Auch sehr schön finde ich die Anfangspassage von "Das Kornfeld", und die Szene, in der Remo Amalia vernaschen will. So leicht lebendig, natürlich dargeboten, sodass gerade dieses Szenerie in meinem Kopf hängenbleibt. Erstaunlich wie mit Worten gezaubert wird.

Die letzte Geschichte (des ersten Bandes) "Treue" wiederholt diesen Zauber nicht. Eine tragische Geschichte. Amelio hatte einen Motorradunfall und ist Querschnittsgelähmt (das wird angedeutet, er kann seine Beine nicht bewegen). Sein Freund Garofalo angelt sich Amelios Freundin, die mit ihm Schluss gemacht hat.

Hier mal als Beispiel, wie Pavese so etwas nur andeutet:

Pavese hat Folgendes geschrieben:
"Und Natalina?" fragte Garofalo.
Diesmal zog Amelio die Grimasse.


Es steckt auch Verbitterung in den Worten, wenn Amelio über Natalina sagt:
Pavese hat Folgendes geschrieben:

"Natalina bleibt nicht allein, auch wenn man sie anbindet.."


In dieser Geschichte kommt ja mal eine Mutter vor, allerdings auch ohne Konturen. Amelios Mutter scheint aber ziemlich streng zu sein. Sie wird "die grobe Alte" genannt (vielleicht schimmert etwas von Paveses Mutter durch, ihr Verhältnis zu ihrem Sohn war sehr unterkühlt).

Liebe Grüße
Josilin
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BeitragVerfasst am: 03.02.2008, 21:48:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

die eingestreuten Bemerungen aus deiner Biografie-Lektüre finde ich immer wieder interessant. Ich habe auch ein bisschen rumgesucht und habe kaum mehr über Pavese gefunden, als schon im Klappentext steht.

Vielleicht noch zur der letzten Geschichte des 1. Bandes. "Treue", die mir eigentlich erst mit einer gewissen Verzögerung - ja wie soll man sagen: einleuchtete? Gefiel?
Es kommt die Frage auf: Ist der Titel etwa ironisch gemeint? Oder besteht die Treue in etwas Anderem, worin auch immer? Daß die Titel der Stories diese oft ein wenig verrätseln, konterkarieren, sich jedenfalls nicht einfach erschließen, ist wohl deutlich geworden. Jedenfalls scheinen mir diese Geschichten zwar auch vom psychologischen her exakt konstruiert zu sein, sich jedoch nicht annähernd darin zu erschöpfen. Um so - vielleicht - den Widersprüchen des wirklichen Lebens und der wirklichen Menschen näherzukommen.

Vom 2. Band habe ich die 1. Geschichte, das kurze Fragment "Das Haus am Meer" gelesen. Wieder eine wunderbare Einleitung. Die Umgebung und die Prot. stehen sofort plastisch vor uns. Wir haben hier eine noch nicht vorgekommene Variante: ein Ehepaar, scheinbar glücklich, aber atmosphärisch zieht Bedrohliches auf. Der Mann geht rauchend im Gärtchen spazieren, und die Frau raucht nach dem Aufwachen im Bett und denkt vor sich hin, mehr erfahren wir nicht, trozdem sieht das eher nach Nervosität als nach ruhiger Erfüllung aus. "... er hat immerhin begriffen, daß es mir am liebsten ist, ihn liebzuhaben wie eine Tochter den Vater ..."

Nun, demnächst komme ich mit meiner Lektüre hoffenlich weiter.

Liebe Grüße, Peter Sense
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BeitragVerfasst am: 05.02.2008, 20:34:08    Titel: Antworten mit Zitat

Jaja, das rumlaufen ist wohl eher ein Davonlaufen, auf jeden Fall kein entspanntes Flanieren. Bei Pavese wird andauernd so end- und ziellos herumspaziert. Bei der nächsten Story habe ich bedauert, daß sie nicht weiterging. Das weitere Schicksal der beiden durch die Stadt streundenden Jünglinge hätte mich schon interessiert.
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Marquis de Josilin
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BeitragVerfasst am: 06.02.2008, 14:10:28    Titel: Antworten mit Zitat

„Haus am Meer“

Interessant ist schon die Farbwahl Violett im ersten Satz:

Pavese hat Folgendes geschrieben:
Der violette Streifen Meer vor dem Fenster machte das ganze Zimmer kühl.


Violett ist die Farbe für Besinnlichkeit, Zurückgezogenheit, religiös-mystisch. Es ist bemerkenswert, dass Melancholiker Violett und allgemein dunklere Farben bevorzugen. Etwas kühles liegt zwischen den beiden. Der Mann braucht Zeiten der Einsamkeit, es heißt auch „der arme Andrea“, und der Frau ist es am liebsten, wenn sie ihm wie eine Tochter sein kann. Das heißt doch, folglich keine sexuelle Beziehung: Impotenz oder Frigidität? Genaueres wissen wir nicht. Schade , dass dieser schöne stimmunsvolle Text nur ein sehr kurzes Fragment geblieben ist.

In der Geschichte „Erste Liebe“ hatten wir auch so einen kleinen Angeber wie Achille in „Die Bettler“ Im zweiten Band haben wir desöfteren mit unvollendeten Erzählungen zu tun. „Der Hauptmann“ ist eine Episode aus Aktivitäten einer Wiederstandsgruppe gegen die Faschisten. So lese ich das, Pavese hatte auch Kontakt zu solchen Leuten.

„Ein Ruf“ ist so eine Geschichte, die freien Raum für Interpretationen zulässt. Hierin finde ich einige wunderbarste Stellen, die, so kann ich inzwischen sagen, typisch Pavese sind. Erinnerungen an das Leben auf dem Lande, und wie peter sense schon sagte, das "Flanieren" (des Nachts).

Ich sage mal, die ganze Geschichte ist ein Traum. Nur am Ende, wenn er durch die Tür geht ins Freie hinter einer Fabrik herauskommt, dann ist er wach.

Die wunderbare Passage über die Mohnblumen, die er sieht, wenn er aus dem Fenster schaut, die Mohnblumen sind so intensiv, dass der Erzähler sie für real hält, aber nicht für einen Traum.

Pavese hat Folgendes geschrieben:
>Wäre all das ein Traum, so würde jemand in den Mohnblumen auftauchen, es würde etwas geschehen, denn in den Träumen hat alles seine Bedeutung<


Es geht um das Deuten von Träumen. In der Gestaltung der Träume ist, so wird erzählt, ein sog. Operator erforderlich, der in den Träumen bestimmte Sequenzen einbaut, z. B. einen verlorenen Schuh, der eine bestimmte Bedeutung hat.

Hier mögen Paveses Erinnerungen an sein Leben auf dem Lande (in seiner Kindheit) ein Rolle spielen. Wie herrlich folgende Wendung:

Pavese hat Folgendes geschrieben:
Dieses Gefühl von Vertrauen ist mir ziemlich geläufig, er erfaßt mich, sooft ich von einem geschlossenen Platz aus einen Blick in den Himmel werfe, auf die Bäume, in die Luft. Es ist, als hätte ich einen Moment an die Existenz der Dinge gezweifelt, und dieser Blick beruhigte mich wieder.


Ganz fantastisch: Durch den Blick in die Natur die Vertrautheit an die Existenz wiedergewonnen.

Pavese hat Folgendes geschrieben:
...den geschlossenen Raum aufzusuchen, um, wenn ich die Nase an die Luft stecke, den Augenblick der Befreiung zu genießen. Daher kommt es, daß ich ein großer Besucher von Cafés und Osterien bin; ich setze mich gern unter den Fenstern im Halbdunkel in die Ecken.


Es scheint so, ähnlich wie in „Die Selbstmörder“, dass die Außenwelt nicht als lebendig wahrgenommen wird, hier wieder ein Außenstehender, der vielleicht auch nur betrachtet und ewig in seinem Dasein umherwandelt.

Oohhh, mir fällt jetzt plötzlich Fernando Pessoa ein. Aus „Das Buch der Unruhe“:

Pessoa hat Folgendes geschrieben:
„Ich betrachte das Leben als eine Herberge, in der ich verweilen muß, bis die Postkutsche des Abgrunds eintrifft“ (§1)

„Was bleibt jemandem, der wie ich lebendig ist und doch kein Leben zu haben versteht...“ (§1)

„Da ich also weder an Gott noch an eine Summe von Lebewesen glauben konnte, verblieb ich wie andere Außenseiter in jener Distanz zu allem,...“ (§1)

„Ich liebe die Stille langer Sommerabende in der Unterstadt...und all die traurigen Straßen..die lange unterbrochene Linie des stillen Kais, sie alle trösten mich mit ihrer Schwermut, wenn ich mich an diesen Abenden in ihr Labyrinth der Einsamkeit begebe.“ (§3)


Soweit mein Schlenker zum Portugiesen.

In „Ein Ruf“ heißt es noch:

Pavese hat Folgendes geschrieben:
"Ich war immer ein unglücklicher Mensch“, sagte ich. „Aber mehr noch ein Junge als ein Unglücklicher. In manchen Nächten tut es mir leid, schlafen zu gehen, und das scheint mir verlorene Zeit. Ich möchte immerzu wach sein, bereit zu atmen und zu schauen. Für mich ist es ein Vergnügen, wie verrückt aus dem Haus zu rennen und mir das Wetter anzu sehen., die Menschen, die vorübergehen, den Geruch zu spüren. Dann ist es schön, darüber nachzudenken."


Er war immer ein Unglücklicher. Im Traum warnt Masino, der ihm gegenübersitzt:

Pavese hat Folgendes geschrieben:
Es ist so wenig Zeit. Und du mußt so rasch wie möglich alles Freuden suchen, die dir erreichbar sind. Denn im Augenblick, wo du wach wirst, ist es aus.


Wenn er wach wird, kommt er hinter einer Fabrik hinaus. Vielleicht erwartet ihn dort die Schwere des Lebens.

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BeitragVerfasst am: 07.02.2008, 22:25:16    Titel: Antworten mit Zitat

Dieser "Ruf" ...

Fast wünscht man sich eine Folie, in die man ganz unerbittlich Wort für Wort einsetzen kann, bis das Puzzle ein Bild ergibt.

Bei Benn heißt es ja vielleicht kürzer: "O Nacht, ich nahm schon Kokain / die Blutverteilung ist im Gange ..."

Die Chiffre Mohn, das Empfindungs- und Reflexionsdurcheinander (wirr, aber ausgerichtet), das Spiel mit Traum und Realitäten, verbunden mit dem schier unbegründeten Wohlsein, der Ausgang an einem unwirtlichen Ort - das könnte schon passen.

Oder ist der Erzähler doch nur liebestrunken? - "ich war verliebt; und ich genoß meine Liebe, so gut ich konnte" *) - Wie gesagt, ein Puzzle, das man ja vielleicht auch gar nicht zusammensetzen soll oder kann, da jedes Teilchen auch für sich spricht.

Es ist einer der Texte, wo ich mir wünschte, ihn im Original lesen zu können. Bei solchen metaphorischn Zusammenballungen wäre doch die Assoziationsgründung und -lenkung durch die Sprache selbst ganz entscheidend.

*) Nur mal so am Rande: er liebt die Liebe, nicht etwa die Geliebte. Egoman, wie gehabt in anderen Geschichten.
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BeitragVerfasst am: 11.02.2008, 20:19:05    Titel: Antworten mit Zitat

„Die Familie“

Die längste Erzählung und es hat doch lange gedauert, bis sich erschlossen hat, warum die Erzählung „Die Familie“ heißt und bisher die Erste, in der der Ich-Erzähler über jemanden anders erzählt, nämlich über Corradino, einem Mann, und das ist typisch Pavese, der Kontakte zu einigen Frauen pflegt, ohne sich je binden lassen zu wollen, weil er offenbar aus extremer Schüchternheit jeder Verantwortung als Mann versagen möchte.

Pavese hat Folgendes geschrieben:
...wenn eine Frau Widerstand leiste, sei für den Schüchternen viel gewonnen.


Das ist schon tragischkomisch.

Pavese hat Folgendes geschrieben:
>Ich habe mir nie Kinder geleistet<m>ich habe mich nie an jemanden binden mögen. Das ist meine Natur...<


und begegnet er Cate, mit der er, ohne seines Wissens, ein Kind gezeugt hatte. Wenn wir den Titel der Geschichte nun anschauen, so haben wir jetzt wirklich eine Familie zusammen, aber, wie es sich heraustellt, ziemlich brüchig. Eine Familie, die keine wirkliche Familie ist, aber in Corradino schlummert doch ein wenig Sehnsucht an eine Familie.

Und jetzt kommt es, worauf es hinauszugehen scheint:
Pavese hat Folgendes geschrieben:

diesmal fand ihn die Krise als Mann, sie bot ihm statt Torheiten Wirklichkeiten Leben von Menschen, das Problem, wie er sich verhalten sollte; und das entriß ihn seiner Isoliertheit.


Wie schon im Erzähler von „Die Selbstmörder“ sehen wir in Corradino einen Mann, der eigentlich außerhalb des Lebens steht.

Die Geschichte beginnt ja in der Erinnerung an eine Bootsfahrt. Man fuhr damals mit einem Mädchen im Boot hinaus. Es scheint so, als ob damals, als Corradino Cate mitnahm, irgendetwas passiert ist, warum er nun sehr verschüchtert dahinlebt (Das ist mein Eindruck). Vielleicht der "Schock" einer ersten erotischen Begegnung.Wink

Liebe Grüße
Marquis de Josilin
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Verfasst am: 11.02.2008, 20:19:05    Titel: Ähnliche Themen



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