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Thomas Mann - Doktor Faustus

 
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Marquis de Josilin
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BeitragVerfasst am: 06.11.2008, 16:59:23    Titel: Thomas Mann - Doktor Faustus Antworten mit Zitat

Heute eröffnen wir die Leserunde zu

Thomas Mann: Doktor Faustus

Es lesen und diskutieren

Knabe
Stephanie


Ich wünsche euch viel Freude dabei.

Liebe Grüße
Marquis de Josilin
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Knabe
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BeitragVerfasst am: 06.11.2008, 20:31:53    Titel: Antworten mit Zitat

Danke, Marquis de Josilin, für die Eröffnung der Leserunde.

Stephanie, bist du wieder da? Hast du dich gut erholt? - Welche Ausgabe liest du? Kennst du dich mit Thomas Mann gut aus? Hast du Dr. Faustus schon einmal gelesen?

Ich lese diese Ausgabe:


- - Ich habe den Roman schon einmal gelesen, und zwar im Alter von 15 Jahren, weswegen ich damals naturgemäß kaum etwas verstanden habe.

Gruß
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Knabe
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BeitragVerfasst am: 06.11.2008, 21:00:53    Titel: Antworten mit Zitat

Nach dem Lesen des ersten Kapitels habe ich folgende Gedanken:

Es ist ein außergewöhnlich schöner Beginn!

Der Biograph, die Ich-Person, schreibt wie ein verworrener, weltfremder Gelehrter. Er klingt so furchtsam, als wäre er ständig bereit, sich zu verkriechen, wenn er etwas Falsches sagen sollte. Das Thema scheint ihm sehr am Herzen zu lasten. Ganz plötzlich kommt er auf das Dämonische zu sprechen. Er selbst ist schon, so mein Eindruck, beinahe dämonisch bescheiden, fast bückelnd und lächerlich-kniefällig. Ich musste tatsächlich öfter auflachen über diese Übertriebenheit. Dieses Kniefällige erinnert mich schon an den grauen Mann aus Adelbert von Chamissos "Peter Schlemihl" - - der graue Mann, welcher der immer dienstbereite Teufel ist.

Doch geht es bestimmt zu weit, den humanen Herrn Serenus Zeitblom (so sein Name) als satanisch darzustellen.

Er sieht sich als "Nachfahre der deutschen Humanisten aus der Zeit der »Briefe der Dunkelmänner«". Namen wie Reuchlin, Crotus, Mutianus, Eobanus Hessus werden genannt. : Ergo Reformation, Abspaltung des Christentums in lutherische und katholische Kirche usw.

Dunkelmännerbriefe: Eine Streitschrift (1515 - 1517) humanistisch gesonnener Kreise gegen die traditionelle Theologie und Kirchlichkeit, die darin derb karikiert werden.

Gruß
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Marquis de Josilin
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BeitragVerfasst am: 07.11.2008, 11:22:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

zwar kann ich nicht regelmäßig an dieser Leserunde teilhaben, weil ich mich z.Zt. lektüremäßig in anderen Gefilden befinde, werde aber hier und da einiges zum "Doktor Faustus" beitragen können, da ich den Roman bisher dreimal gelesen habe Ich werde den Thomas-Mann Text noch mal überfliegen.

So komme ich zum Kapitel I. Wichtig ist die zeitliche Zuordnung. Zeitblom, ein Studienfreund, schreibt seine Erinnerungen an Leverkühn im Jahre 1943, also noch während des Zweiten Weltkrieges. Im Text wird auch von der umdrohten Festung Europas gesprochen.

Einige Hinweise auf Adrian Leverkühns Charakter werden schon gegeben. Er konnte nicht lieben, sich sein Herz anderen Menschen gegenüber nicht öffnen - nur einem Kind (aber davon später mehr) kurz vor seinem Tod.

Liebe Grüße
Marquis de Josilin
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Stephanie
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BeitragVerfasst am: 07.11.2008, 12:41:44    Titel: Antworten mit Zitat

Ich lese folgende Ausgabe:
Thomas Mann: Doktor Faustus. Fischer-Verlag, Frankfurt am Main.

Aus Zeitblom spricht Manns eigene Stimme. Er kann durch die geschaffene Person einmal mehr seine Gedanken, Erfahrungen und Überlegungen ausdrücken. Interessant auch, dass Mann Zeitblom Altphilologie studieren ließ. Das klassische Bildungsideal des 19. Jahrhunderts also kulturelles Vermächtnis des Altertums und somit Fundament seiner/unserer Kultur.

Zeitblom ist ein konservativer Mensch und hält an althergebrachtem fest. Leverkühn verunsichert ihn. Er bringt Zeitblom dazu seine Gefühle wahrzunehmen. In Kapitel II schildert er zum einen begeistert aber auch erschüttert die Wirkung die Leverkühns Komposition auf ihn ausgeübt hat.

Leverkühns Charaktereigenschaften vermag ich noch nicht wirkich einzuordnen. Die Frage stellt sich: Warum konnte er nicht lieben und sein Herz öffnen? Waren das Eigenschaften die auch seinen Geschwistern zu eigen waren? Eigenartig auch, dass sein Bruder und seine Schwester exakt fünft Jahre jünger bzw. älter waren...
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Knabe
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BeitragVerfasst am: 07.11.2008, 19:28:23    Titel: Antworten mit Zitat

Marquis de Josilin hat Folgendes geschrieben:

Einige Hinweise auf Adrian Leverkühns Charakter werden schon gegeben. Er konnte nicht lieben, sich sein Herz anderen Menschen gegenüber nicht öffnen - nur einem Kind (aber davon später mehr) kurz vor seinem Tod.

Ein - vorsichtig gesagt - bei Thomas Mann nicht seltener Topos des attraktiven Knaben?

Im Kapitel II finde ich Zeitbloms Meinung über die Musik augenfällig. Musik scheint ihm einer Geisterwelt anugehören.

Die vielfachen Antizipationen und die Vorwegnahme, in seiner 'Biographie' direkt die Aufzeichnungen anderer einzuschalten, erinnern mich sehr an Wilhelm Meister. Und sah sich Thomas Mann nicht als Nachfolger Goethes? Aber inwieweit ein deutlicher Goethe-Einfluss im Roman aufzuspüren ist, das will ich nach wenigen Seiten nicht beurteilen.

Zum Schmunzeln fand ich den Namen des Vaters von Serenus: Wolgemut Zeitblom; und Serenus' Geständnis, dass der Name seiner Frau, Helene, bei seiner "Wahl nicht die letzte Rolle spielte".

---

Im ersten Satz des Kapitels III wird erwähnt, dass die Leverkühns teils im Schmalkaldischen blühte - bei diesem Ortsnamen schwingt in meinem Kopf wieder das Protestantisch-Reformatorische mit. Welcher Konfession gehörte eigentlich Thomas Mann an?

Eine andere Frage zu Thomas Manns eigene Biographie: Haben seine Söhne ebenso wie die des Serenus Zeitblom dem Führer gedient? Hatte Thomas Mann nicht, ebenso wie Serenus Zeitblom, nur ein lockeres Verhältnis zu seinen Kindern?

Gruß
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Marquis de Josilin
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BeitragVerfasst am: 07.11.2008, 20:05:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Knabe,

sehr interessant, dass du Beziehungen zu Goethes Wilhelm Meister herstellen kannst. Goethe ist in diesem Roman eher hintergründig oder zweitrangig, auch wenn wir apäter uns in Auerbachs Keller wiederfinden. Thomas Mann stellt viel eher eine Beziehung zur mittelalterlichen Faustbuches her. Der historische Faust war ein Zeitgenosse Martin Luthers.

In Kapiel II heißt es, die Mehrzal der Bürger von Kaisersaschern war protestantisch. Es heißt auch "mitten im Heimatbezirk der Reformation, im Herzen der Luthergegend..." Also, Hinweise auf das Lutherische schon hier.

Ich weiß nicht, welcher Konfession Thomas Mann war. Ich glaube aber, dass diese persönlichen Dinge des Autors nichts mit dem Roman zu tun haben.

Liebe Grüße
Josilin
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Knabe
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BeitragVerfasst am: 08.11.2008, 11:49:33    Titel: Antworten mit Zitat

Ein wenig töricht von mir, Thomas Mann zu lesen, ohne das Original zu kennen.

Das Kapitel III hat's schon in sich. Jonathan Leverkühn, der Vater Adrians, ist fasziniert von wunderlichen Phänomen der Natur. Zum Beispiel vom gläsernen Schmetterling "in durchsichtiger Nacktheit", von der Hetaera esmeralda:



Die Hetaere esmeralda wird, mein' ich, noch eine wichtige Rolle im Roman spielen.


Und fasziniert ist Jonathan vom Blattschmetterling, dessen Flügel "nicht nur nach Form und Geäder, sondern dazu noch durch minutiöser Weidergabe kleiner Unreinigkeiten, nachgeahmter Wassertropfen, warziger Pilzbildung und dergleichen mehr" einem Blatt gleichen:



Ein verlogenes Tier!


Das nun erinnerte mich an Worte aus Grillparzers "Weh dem, der lügt!" (Verse 146f, 151 und 154-156):

Wahr ist die ganze kreisende Natur;
Wahr ist der Wolf, der brüllt eh er verschlingt, [...]
Wahr sind sie, weil sie sind, weil Dasein Wahrheit.
[...]
Du [=Verlogener] bist kein Tier, denn das ist wahr;
Kein Wolf, kein Drach, kein Stein, kein Schierlingsgift:
Ein Teufel bist du, der allein ist Lügner,
Und du ein Teufel, insofern du lügst.


(Bloß ein Zufall, dass ich das Werk erst vor kurzem las.)

Bei den naturwissenschaftlichen Exkursen (die mich schon wieder an Wilhelm Meister erinnern... verzeih' diese unnötige Assoziation!) verliert sich zeitblom oft ins Zauberhafte, Dämonische, Phantastische - er ist nicht der konsequente Vernünftler, obwohl er dieses für notwendig (S. 25) hält.

Jonathan Leverkühn lehnt eine trostlose, sinnlose, nichtige Welt entschieden ab. Durch die Natur kommt er zum Glauben an eine Geisterwelt. Über die Natur kommt er zu Gedanken der Ethik, er denkt über das Leben und Sein nach; er entblößt die Natur, was in einer früheren Epoche "Hexerei" genannt wurde. Ein faustischer Ansatz findet sich also bereits im Papa Leverkühn!
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Knabe
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BeitragVerfasst am: 08.11.2008, 11:52:49    Titel: Antworten mit Zitat

Besonders kurios fand ich Adrians Lachen. Bei Umberto Eco kommen Theologen vor, die meinen, Christus habe nie gelacht, und alles Gelächter vehement ablehnen. Und wenn man mehr oder weniger dualistisch denkt, so mein' ich konnotativ, ist das Lachen vielleicht doch eher dem Teufel beibehalten, und nicht Gott.
Luther sagt auch in seinen Tischreden, dass Gott mit Ernst angerufen werden möchte.

Die Rührseligkeit Jonathans, die diesen schon dazu veranlasst, Tränen in die Augen zu bekommen, macht Adrian schütteln vor lauter unterdrücktem Lachen.

Gruß
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HUW
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BeitragVerfasst am: 08.11.2008, 22:04:14    Titel: Antworten mit Zitat

Entschuldigt, daß ich mich einschalte. Aber der Lektüre des "Doktor Faustus" ist dringlichst die Aneignung von Thomas Manns Rede "Deutschland und die Deutschen" aus dem Jahr 1945 voranzustellen.
Die Rede, vor einem amerikanischen Publikum gehalten, ist eine Einführung in wesentliche Problemkonstellationen des Romans.
Für viel weniger hilfreich halte ich Thomas Manns schmales Büchlein "Die Entstehung des Doktor Faustus" aus dem Jahre 1949. Dessen Untertitel "Roman eines Romans" verrät schon, daß er es darin mit der Wahrheit nicht so genau genommen und vieles verschwiegen hat.

----------------

Wie genau die Lektüre des "Doktor Faustus" sein muß, läßt sich an folgendem Zitat aus Kapitel III zeigen:

An Winterabenden, wenn draußen sein Erb und Eigen verschneit ruhte, sah man ihn lesen, vornehmlich in einer umfangreichen, in gepreßtes Schweinsleder gebundenen und mit ledernen Spangen zu verschließenden Erb-Bibel, die um 1700 mit herzoglicher Befreiung zu Braunschweig gedruckt worden war und nicht nur die »Geist-reichen« Vorreden und Randglossen D. Martin Luthers, sondern auch allerlei Summarien, locos parallelos und jedes Kapitel erläuternde historisch-moralische Verse eines Herrn David von Schweinitz mit einschloß.

Man kann leicht überlesen, daß allein »Geist-reichen« in Anführungszeichen steht, obwohl Zeitblom offenbar weiteres von Herrn von Schweinitz übernommen hat, ohne es als Zitat auszuweisen.
Doch ist dieses Faktum hinsichtlich des Erzählers Zeitblom wichtig:
Es handelt sich um die Freudsche Fehlleistung des Vorsatzvergessens, die Zeitbloms Luther-Komplex entlarvt. --
Tauchen in der kurzen Textpassage nicht auffällig häufig die Wortteile "-ei-", "-sch-" und "-schwei-" und auch zweimal direkt "Schwein()" im Zusammenhang mit Luther auf?

Zusatz: Es gibt ein empfehlenswertes Buch von Jürgen H. Petersen mit dem Titel "Faustus lesen".
Man kann große Teile des Buchs auch bei google lesen.
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Stephanie
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BeitragVerfasst am: 10.11.2008, 13:39:03    Titel: Antworten mit Zitat

----> Entschuldigt, aber ich muss mich aus der Leserunde ausklinken. Ich schaffe derzeit kaum zwei Seiten täglich Sad
Und so würde ich vermutlich zuviel vorwegnehmen und kann nicht auf die Passagen im aktuellen Lesefluss eingehen.
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Knabe
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BeitragVerfasst am: 10.11.2008, 23:24:11    Titel: Antworten mit Zitat

HUW -
Dass Thomas Mann sehr subtil arbeitet, das habe ich im Buch schon gemerkt, aber dass er so weit geht - ! Mein Mangel an Scharfsinn wird hier offenbar. - Danke für diese Hinweise!

Stephanie -- das ist sehr schade. Da ich eine Leserunde nicht alleine führen kann, werde ich sie wohl auch fallen lassen müssen. Ich werde den Roman alleine weiterlesen und mir die (sekundär)literarischen Texte, auf die HUW hingewiesen hat, zulegen.

Naja!

Trotzdem danke ich für die lange Vorfreude, Stephanie. Denn Jean Paul sagte auch, die Vorfreude sei die schönste Freude. Wink

Gruß
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Forenking






Verfasst am: 10.11.2008, 23:24:11    Titel: Ähnliche Themen



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HUW
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BeitragVerfasst am: 11.11.2008, 00:20:37    Titel: Antworten mit Zitat

@Knabe,

"Mangel an Scharfsinn"? Wohl kaum. Das Buch ist so schwierig - ich lese seit über 25 Jahren immer wieder darin- und komme zu keinem interpretatorischen Ende ...

Begonnen hat die erste Lektüre mit 18 in der Schule - als Pflichtlektüre, die der Deutsch-Leistungskurs-Lehrer dann aber schnell abgebrochen hat.
Wir waren zu dumm.
Einige Jahre zuvor hatte derselbe Lehrer zu dem Buch ein Aufsatzthema im Abitur gestellt, welches mindestens ein Abiturient gut absolviert hat. Sein Aufsatz wurde in der Jahreszeitschrift des Gymnasiums veröffentlicht.

Sei also getröstet!
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hebelfurk
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BeitragVerfasst am: 11.11.2008, 17:12:54    Titel: Antworten mit Zitat

HUW hat Folgendes geschrieben:
Einige Jahre zuvor hatte derselbe Lehrer zu dem Buch ein Aufsatzthema im Abitur gestellt, welches mindestens ein Abiturient gut absolviert hat. Sein Aufsatz wurde in der Jahreszeitschrift des Gymnasiums veröffentlicht.

Dieser Aufsatz ist offenbar nicht verfügbar, ansonsten wäre ja der Dr. Faustus endlich fertig-interpretiert und man könnte zum nächsten Jahrhundertwälzer übergehen.

Tipp:
Am besten immer gleich auf die gültige Interpretation gehen und das Werk selbst nur auszugsweise zur Bestätigung heranziehen.
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HUW
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BeitragVerfasst am: 11.11.2008, 17:27:48    Titel: Antworten mit Zitat

Ich würde Deinem Ratschlag sicherlich folgen, nur ist mir ein Roman von Thomas Mann mit dem Titel "Dr. Faustus" nicht bekannt ...

Eine Frage habe ich aber noch an Dich, Ferkelhuber:
Führt das Bier im Rheinland immer zur Gehirnerweichung?
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hebelfurk
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Wohnort: Das Bier im Rheinland

BeitragVerfasst am: 11.11.2008, 17:55:51    Titel: Antworten mit Zitat

HUW hat Folgendes geschrieben:
Eine Frage habe ich aber noch an Dich, Ferkelhuber:
Führt das Bier im Rheinland immer zur Gehirnerweichung?


Du bist vermutlich der einzige derartige Fall.
Allerdings würde ich da auch andere Ursachen nicht ausschließen.
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ak77
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BeitragVerfasst am: 11.11.2008, 20:45:17    Titel: Antworten mit Zitat

Bewußter Aufsatz ist mir bekannt. Seit über 25
Jahren lese ich darin.
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Marquis de Josilin
Flohmarktbuchabstauber/In


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BeitragVerfasst am: 11.11.2008, 21:07:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Leute,

lassen wir jetzt bitte abdriftende Beiträge aus dem Spiel und diesen Ordner ruhen, bis vielleicht mal wieder ein Interesse an einer Leserunde zu "Doktor Faustus" besteht.

Liebe Grüße
Marquis de Josilin
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cundri
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BeitragVerfasst am: 16.11.2008, 01:21:33    Titel: Antworten mit Zitat

bitte weitermachen
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andreas diemers
Gast





BeitragVerfasst am: 21.06.2009, 03:01:43    Titel: Antworten mit Zitat

-Von eigener Hand reglementiert.-
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andreas diemers
Gast





BeitragVerfasst am: 01.07.2009, 01:18:12    Titel: Antworten mit Zitat

Gedicht für Thomas Mann:



Sammelbecken für Aquarien


Du gingst in Gedanken die Straße entlang
Da kam ein Fisch vorbei
Seine Farbe war zornig
Er fragte Dich etwas, Du hörtest nicht hin
Hattest Angst vor dem Zwielicht aus Fisches Mund

Später kam der entkleidet als Gräte an Deine Türe gekrochen
Und schrie
Mache auf
Und bau ein Aquarium

Und wieder bliebst Du ihm stumm
Ließest gerade soviel Wasser
In das Becken bis
Dessen Überschwall gerade soweit
Hinunterschwabberte bis
Zu den gerade
Geschlossenen Kiemen jener bleichen Fische
Des Meeres
Der Welt um Dich

In Gedanken

Kämest Du heute die Straße entlang
Ging kein Fisch vorbei
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Sonny Clash
Stammelga(ä)st/In


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BeitragVerfasst am: 24.08.2012, 12:18:35    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Tag,

ich habe weder den Doktor Faustus noch Deutschland und die Deutschen gelesen. Beim Überfliegen beider Einträge auf Wikipedia ist mir da aber ein anderer Text in den Sinn gekommen den ich Euch ans Herz legen möchte.

Nun brauchen wohl die wenigsten von Euch noch einen weiteren Lesetipp, aber dies hier könnte durchaus erhellend sein in der Diskussion um den Dr. Faustus sowie und wohl eher um die Rede an die Deutschen.

Isaiah Berlins Essay "Die Apotheose des romantischen Willens"

Isaiah Berlin spannt in diesem Essay einen Bogen der von der alleingültigen Weltanschauung der katholischen Kirche im 16. Jahrhundert bis zur französischen Revolution, der Macht des Willens zur Freiheit und des romantischen Ideals des Menschen, der sein Leben selbst formt und sein gottgegebenes Schicksal nicht länger hinnehmen möchte reicht. Daraus entstehend die gefährliche Annahme den politischen Führer als Künstler zu sehen, der eine Gesellschaft nach seinem Willen "formt".

Auszug aus einer Rezension des Deutschlandfunkes zu dem Essayband "Das krumme Holz der Humanität" in dem besagter Essay zu finden ist:

Spannend ist in diesem Zusammenhang auch, wie Berlin die deutsche Romantik als eine Gegenbewegung zu der von Frankreich ausgehenden Aufklärung schildert. Er interpretiert diese Epoche als eine Protest- und Trotzreaktion der kulturell so lange gedemütigten Deutschen, deren "Lebensart, Kunst und Denken provinziell" blieben, wie es heißt, während England, die Niederlande und vor allem Frankreich in seinem zivilisatorischen Höhenflug herablassend auf die tumben Teutonen herabschauten. "Gedemütigte Menschen tun so, als sei das, was sie nicht erreichen können, gar nicht erstrebenswert", erklärt Berlin einleuchtend in dem Text "Die europäische Einheit", um dann zu beschreiben, welcher Art der weltanschauliche Trotz war, der sich östlich des Rheins zusammenbraute.

"Die Deutschen rebellierten ( ... ) gegen die französische Übermacht auf den Gebieten von Kultur, Kunst und Philosophie und rächten sich mit einem Angriff gegen die Aufklärung. ( ... ) Vielfalt statt Einförmigkeit; Inspiration anstelle erprobter und überprüfter Regeln und Traditionen; das Unerschöpfliche und Grenzenlose anstelle von Maß, Klarheit und logischer Struktur; die Innerlichkeit und ihr Ausdruck in der Musik; die Verehrung der Nacht und des Irrationalen - darin bestand der Beitrag des wilden deutschen Geistes, der wie ein frischer Wind in das stickige Gefängnis der etablierten Ordnung Frankreichs einbrach."

Isaiah Berlin schildert die Romantik als einen Wendepunkt der europäischen Geistesgeschichte von dramatischem Ausmaß. Die Rebellion richtete sich gegen die klassisch-einheitliche Systematik der Aufklärung; mit Herder und dem deutschen Historismus setzte sich der Pluralismus durch, der das Verständnis von Philosophie und unserem gesellschaftlichen Zusammenleben bis heute maßgeblich prägt. Darüber hinaus betont Berlin den irrationalen Wesenszug der Romantik, der das Dunkle und Gewalttätige in Natur und Mensch beschwor.

"Dieser ( ... ) Subjektivismus, dessen leidenschaftlichster Verkünder der eigentliche Vater der Romantik, Johann Gottlieb Fichte, war, mündete allerdings zuletzt in wilder Anarchie und Irrationalität, in byronesker Selbstberauschung, im Kult des düsteren, zwielichtig faszinierenden Außenseiters, des Feindes der etablierten Gesellschaft, des satanischen Helden ( ... ), für dessen stolze Unabhängigkeit kein Preis an Menschenglück und Menschenleben zu hoch ist. Im Falle ganzer Nationen leistete die Ablehnung der Idee universell gültiger Werte zuweilen einem Nationalismus und aggressivem Chauvinismus sowie der Verherrlichung einer kompromisslosen Selbstbehauptung bestimmter Individuen oder ganzer Kollektive Vorschub. In extremen Fällen nahm sie verbrecherische und extrem pathologische Formen an und gipfelte in der Preisgabe der Vernunft und jeglichen Realitätssinnes, oft mit verheerenden moralischen und politischen Folgen."


Mir wird es wohl gelingen den Dr. Faustus zu lesen, dann werde ich mich noch mal melden.

Beste Grüße

SC
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peter sense
BuchClubZwangsMitGlied/In


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Anmeldedatum: 14.12.2007
Beiträge: 2528

BeitragVerfasst am: 26.08.2012, 13:13:43    Titel: Antworten mit Zitat

Was ich zuletzt über die Romantik gelesen habe, war Peter Hacks, "Zur Romantik". Interessant scheint zu sein, daß der Hacks sich gar nicht so weit weg zu befinden scheint von diesem Isaiah Berlin, wie es sich hier in Deinem Beitrag darstellt.

Auf den Hacks natürlich, der nicht die allergeringste Neigung zu Verbindlichkeit und Relativierung zeigt, und der sich, wie ich finde, durchaus auf der Höhe der Sprach- und Stoffbeherrschung befindet, wurde mit den groben Knüppeln der Ignoranz eigeprügelt, wie kaum anders zu erwarten. Ich fand sein buch eine höchst amüsante und auch lehrreiche Lektüre, wenngleich ich mir einige romantische Lieblingsstücke einfach nicht vermiesen lasse, mögen deren Autoren trübe Tassen gewesen sein oder nicht.

Grüße, Peter Sense
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WinfriedFehm
Kaffeekasseneinzahler/in


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Anmeldedatum: 21.01.2008
Beiträge: 12

BeitragVerfasst am: 28.11.2012, 16:00:17    Titel: Antworten mit Zitat

Vor knapp vierzig Jahren habe ich den "Tod in Venedig" und "Tonio Kröger" gelesen, zwei Texte, von denen Thomas Mann geschrieben hat, daß sie zu seinen wesentlichsten zählen und den Romanen in gewisser Weise vielleicht gar vorzuziehen seien. An die großen Romane bin ich erst Jahrzehnte später gegangen, so auch an den "Faustus" [und teile nun oben genannte Einschätzung ...]. Jenun, mühsam. Für die Mitteilung, daß einer nicht lieben kann, brauchte Hemingway wenige Zeilen ... ("Soldaten zu Haus")

Thomas Mann ist Zeitblom und Leverkühn, eine Aufspaltung [, das ist ja klar] ... die beiden verkörpern Mischungen verschiedener Anteile seinerseits.

"Deutschland und die Deutschen", meine Güte ... Ich habe mich kürzlich durch acht- oder neunhundert Seiten "An die gesittete Welt" gequält (Frankfurter Ausgabe). Mit voller Hose ist gut stinken ... Bei Roosevelt eingeladen sein, gegen Luftangriffe auf Lübeck "keine Einwände" haben aber sich Sorgen machen, die Marienkirche könne etwas abbekommen haben, wie kalt [& beknackt] muß man sein ...

In meiner Jugend war er sozusagen einer meiner Götter, nach wie vor finde ich ihn höchst interesant, aber auch unsäglich ... und unsympathisch. Und teile Hesses Wertschätzung in dieser Hinsicht keineswegs. (Ich teile ansonsten allerhand Einschätzungen & Ansichten Hesses.)

Das Gedicht mit dem Fisch ist interessant ...
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Forenking






Verfasst am: 28.11.2012, 16:00:17    Titel: Ähnliche Themen



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