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Michel Houllebecq : Unterwerfung

 
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peter sense
BuchClubZwangsMitGlied/In


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Anmeldedatum: 14.12.2007
Beiträge: 2491

BeitragVerfasst am: 16.03.2018, 21:51:51    Titel: Michel Houllebecq : Unterwerfung Antworten mit Zitat

Michel Houllebecq : Unterwerfung

Da stand ich nun in dieser netten kleinen Buchhandlung und wollte unbedingt einen Geschenkgutschein von Weihnachten versilbern, wurde ja langsam Zeit. Mein Auge fiel auf den oben genannten Titel und ich dachte bei mir: Von diesem Typen mit dem schwierigen Namen, den bestimmt kein Deutscher und vielleicht auch kein Franzose korrekt aussprechen kann, hast du noch nie eine Zeile gelesen. Soll ja auch ganz kontrovers und eventuell interessant sein.

Erstes Blättern förderte folgendes zu Tage: „Die Musik kann im selben Maße wie die Literatur erschüttern, eine gefühlsmäßige Umkehr, Traurigkeit oder absolute Ekstase bewirken; die Malerei kann im selben Maße wie die Literatur verzücken, einen neuen Blick auf die Welt eröffnen. Aber allein die Literatur vermittelt uns das Gefühl der Verbundenheit mit einem anderen menschlichen Geist, ...“, und diese Reflexion wurde in angenehmer Weise noch ein Weilchen weitergesponnen. „Ein Buch, das man mag, ist zudem vor allem ein Buch, dessen Autor man mag, ...“

Mir gefiel das, und mir gefiel auch, wie diese Sätze (S. 9 u. 10) in die Kennenlernphase des Protagonisten eingebunden waren. Mitten ins Werk hineingesprungen, kam eine deftige, aber gut geschriebene Sex-Szene zum Vorschein, und da war es schon halb um mich geschehen. Zudem weckte der Klappentext Erinnerungen an Sakis wunderbare, satirische Dystopie „Als Wilhelm kam“, die überzeugend und ziemlich unterhaltsam ausmalt, wie die feine Englische Gesellschaft nach dem Sieg der Deutschen im WK1 einknickt . Nun, hier war es dann die intellektuelle französische Elite, die sich zu einem umfassenden politisch-sozialen Kniefall bereit findet.

Also ein schönes Thema. Als ich das Buch dann las, musste ich leider schnell feststellen, dass es zügig begann, mich zu langweilen. Das Schicksal der Protagonisten wurde mir immer gleichgültiger; die aufgezeigten gesellschaftlichen Prozesse und Mechanismen schienen mir ohne jede Einsicht zusammengetackert zu sein, wie so etwas funktionieren könnte und wie das dann literarisch dargestellt werden kann, und selbst die Sex-Szenen wurden immer uninspirierter und eintöniger. Kurz gesagt, ich habe das Ding in immer größeren Sprüngen quer gelesen.

Dabei steht es schon ganz vorne, im Anschluss an das oben Zitierte: „ … zu oft kann man beobachten, wie ein schemenhaftes Wesen [das des Autors] in den mehr vom Zeitgeist als von der eigenen Persönlichkeit diktierten Seiten zunehmend zerfasert, immer geisterhafter und ungekannter wird ...“
Genauso ist es. Vielleicht hat er das ja in einem Anfall von Selbsterkenntnis hingeschrieben, und ein gnädiger Lektor hat aus „ungekonnter“ das bedeutungsheischende „ungekannter“ gemacht. Eigentlich wollte ich das Buch ja demjenigen ausloben, der mir die korrekte Aussprache des Namens des Autors nennt, aber, glaubt mir, das wäre das Porto nicht wert.
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Ignaz Zwirngiebel
BuchClubZwangsMitGlied/In


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Anmeldedatum: 15.12.2007
Beiträge: 2641
Wohnort: ja

BeitragVerfasst am: 17.03.2018, 08:53:04    Titel: Antworten mit Zitat

Schade. Der Mann stand irgendwo auf meiner long list noch zu lesender Bücher.

Die Franzosen sind überhaupt schwierige Kost. Sehr intellektuell verschräubelt, dauernd theoretisierend, Banales mit Artifiziellem verzwirbelnd. Da hab ich immer das Gefühl, es ist alles l'art pour l'art.

Selbst mein geliebter Camus ist nur schwer zu Ende zu lesen. Obwohl er ein literarisches und intellektuelles Schwergewicht ist, das sehr wohl viele Kilos auf die Waage bringt.

Ob Hohlbeck oder Wellbeck, das werd ich mir dann wohl ersparen.
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Verfasst am: 17.03.2018, 08:53:04    Titel: Ähnliche Themen

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