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Amelie Nothomb: So etwas wie ein Leben

 
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peter sense
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Anmeldedatum: 14.12.2007
Beiträge: 2511

BeitragVerfasst am: 16.11.2016, 11:16:49    Titel: Amelie Nothomb: So etwas wie ein Leben Antworten mit Zitat

Diese Dame ist ein Schlitzohr. Selten habe ich eine so überraschende Wendung wie in ihrem Briefroman "So etwas wie ein Leben" gelesen und habe mich derart literarisch genasführt gefühlt.

Vor einiger Zeit hatte wir hier schon einmal einen Thread zu Amelie Nothomb *), wo ich zuletzt eine Anmerkung über ihre "Biographe des Hungers" notiert hatte; jetzt habe ich gerade ihr Buch "So etwas wie ein Leben" gelesen. Mit dem Hunger hat sie es ja, schon in der "Liebessabotage" spielte eine kindliche Magersucht / oder zumindest sehr einseitige Ernährung eine Rolle.

In dem Briefroman nun spielt das Essen eine ganz zentrale Rolle. Die Ich-Erzählerin ist eine Autorin, die durchaus auf Briefe ihrer Leser antwortet, und wir erfahren nebenbei eine Menge über Theorie und Praxis, ja über die Philosophie des Briefeschreibens.

Über einen an sich ganz harmlosen "Verehrerbrief" gerät sie in einen ausführlichen Briefwechsel (der selber schon fast suchtartige Züge annimmt) mit einem in Bagdad stationierten US-Soldaten. Anfangs kann sie mit seiner Post nicht viel anfangen und schickt ihm einfach mal ein Buchpaket mit ihren Werken. Er aber bedankt sich zwar artig, fragt aber gleichzeitig an, was er denn damit solle, er habe schließlich alle ihre Bücher gelesen. Sowas schmeichelt natürlich! Dieserart feine unterhaltsame Scherze gibt es viele in dem Roman, er ist also durchaus nicht unspaßig, wie eigentlich alles von Frau Nothomb.

Die Hauptrolle aber spielt der Hunger, der nicht endenwollende Hunger ihres Briefpartners. Dieser ist ein US-Soldat, der seit langem in Bagdad stationiert ist und sich systematisch und unaufhaltsam fett frisst. Schon hat er ein derart monströses Übergewicht, dass er er nicht mehr in den Panzer passt, aber man schickt ihn dennoch gerne voran, denn seine Statur bietet einen Kugelfang gleich für ein paar Kameraden. Im Übrigen gibt es in seiner Einheit noch mehrere militärisch gemästete Fettsäcke.

Man darf über den persönlichen, psychologischen und auch symbolischen Gehalt des Geschehens durchaus ins Grübeln kommen. Wer immer schon der Meinung war, dass die Militärmaschine die unmenschlichste, menschenverachtendste Einrichtung ist, die Menschen ersonnen und aufgebaut haben, wird sich nicht nur bestätigt fühlen, sondern auch etliche neue Aspekte kennen lernen; aber auch wer genau gegenteiliger Meinung ist, braucht das Buch nicht wegzulegen - es schreit ihm nirgends ein "Soldaten sind Mörder" entgegen. Allerdings vermute ich, dass bei diesen die Lektüre ein paar kleine böse Widerhaken im Hirn hinterläßt.

Der Clou aber ist für mich die Wendung, die so ziemlich am Schluss stattfindet. Weiter kann ich hier leider nichts verraten, aber er ist geeignet, alles was man über autobiografische Anteile in der Literatur, und damit über Biografie überhaupt, in ein helles, skeptisches Licht zu rücken. Erstaunlicherweise steigert sich nach den "Enthüllungen", wenn man denkt, eigentlich sei die Luft jetzt raus, die Spannung noch einmal um einiges, und ich fragte mich: Wie sie (die Autorin jetzt, nicht ihr Erzähler-Ich) sich da wohl rauswindet? Sie schafft es, mit einem zwar plausiblen, aber zwangsläufig etwas dünnem und unbefriedigenden Schluss. Aber, denkt man, das Buch weglegend, es musste ja zu einem solchen Ende kommen, anders ging es gar nicht.
*) [url] http://literatourkaffee.forenking.com/t1036-amlie_nothomb_liebessabotage.html [/url]
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Verfasst am: 16.11.2016, 11:16:49    Titel: Ähnliche Themen



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