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Dachbodenlyrik
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Ignaz Zwirngiebel
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BeitragVerfasst am: 03.08.2011, 19:35:29    Titel: Nomaden Antworten mit Zitat

Made
Made in
Made in Eck
Made in Käseeck

No made
No made in
No made in many
No made in Germany

Nomade
Nomade in
Nomade in Ei
Nomade in Wüstenei
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Ignaz Zwirngiebel
BuchClubZwangsMitGlied/In


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BeitragVerfasst am: 22.08.2011, 07:25:03    Titel: Nimm Zwei Antworten mit Zitat

Noten im Glas
Kiesel auf glattem Parkett
Schwarz auf Weiß
Aufs Kreuz gelegt
Ausgestreckt und abgesteckt
Zwischen Dur und Moll
Achtung Blaudunstzone
Bassgetränkte Schwüle
Unter flinken Fingern
Zwielichtige Gestalten
Auf Wanderschaft durch die Linien
Nimm' fünf für gerade
Kleine Terzen tiefgefroren
Im heißen Rampenlicht
Nichts wert ohne den Ruck
Im Zwerchfell
Belanglos ohne den Druck
Im Trommelfell
Vermindert um das B
Leibt nur das Ach im Weh
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peter sense
BuchClubZwangsMitGlied/In


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BeitragVerfasst am: 23.08.2011, 09:15:54    Titel: Antworten mit Zitat

Da hat sie aber wieder mal, die Kathi ...
Tief ins Glas gegriffen, und einige Akkorde angeschlagen, ob nun vermindert oder nicht ...
Zitat:
Vermindert um das B
Leibt nur das Ach im Weh


Um mal mit Ringsgwandl sprechen, wenn er auf der Höhe ist:
Ist sie bloß ein Kasper
oder ein Genie?
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Ignaz Zwirngiebel
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BeitragVerfasst am: 23.08.2011, 09:38:58    Titel: Antworten mit Zitat

Leider können wir sie nicht mehr fragen!
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Ignaz Zwirngiebel
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BeitragVerfasst am: 01.09.2011, 08:21:55    Titel: Ich will Antworten mit Zitat

Ich will die Blumen pflücken
Auf dem Asphalt
Ich will die Schäfchen hüten
Im Trockenen
Ich will Farbe säen
Auf meine Augenweiden
Ich will, was ich nie wollte
Werden, was ich nie war
Ich will die alten Hasen jagen
Durch dick und dünn
Ich will die Suppe löffeln
Voll schwerer Brocken
Ich will den Schaum schlagen
Vor meinem Mund
Und Eulen aus Athen
Nach Hause tragen
Ich hab die Schur gewollt
Aus Spinnerei
Ich hab den Rock gerollt
Über die Wiese
Ich will mir Sand aus dem Getriebe
Ins Adlerauge streuen
Ich will die Welt mit meiner Angel
Aus der Taufe heben


Ich will nicht wollen müssen
Will nicht wollen dürfen
Will nicht wollen können
Will mögen wollen
Was gedurft sein muß
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peter sense
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BeitragVerfasst am: 03.09.2011, 08:05:08    Titel: Antworten mit Zitat

Das Spiel mit den Hilfszeitwörtern erinnert mich ein wenig an: "Wollen hätten wir schon gemocht, aber dürfen haben wir uns nicht getraut!" Ob Sie wohl den Tucholsky noch gekannt hat? Oder war es doch eher der Valentin? Doch, ich glaube es war der Valentin. Das glauben doch alle.

Schäfchen im Trockenen hüten,
Farbe auf die Augenweiden säen,
immer schön nach Art des Redens, und dann geht es bis ans Dadaistische heran.

Schön, daß der Dachboden immer mal wieder was hergibt.

Grüße, Peter Sense
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Ignaz Zwirngiebel
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BeitragVerfasst am: 04.09.2011, 06:12:10    Titel: Antworten mit Zitat

Es war Valentin und nicht die Lerche. Wink
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Ignaz Zwirngiebel
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BeitragVerfasst am: 04.09.2011, 07:22:59    Titel: Lamento über den verlornen Faden Antworten mit Zitat

Sein und Schein
Mein und Dein
Immer das Gleiche
Nie dasselbe
Der kleine Unterschied
Im Großen und Ganzen
Macht das Kraut nicht fett
Und den Pelz nicht nass
Der Bock hat es zum Gärtner
Die Geis den Wolf zur Strecke gebracht
Das kleine Glück im großen Spiel
Verdreht die Augen
Den Gaffern und Maulaffen
Wohlfeil geboten
Billig geht vor Recht
Und alles vor die Hunde
Die vieler Hasen Tod nicht nur in Venedig
Auch in Bozen und Krähwinkel
Vom Rudel zum Pudel
Nur ein Schritt
Ein Tritt zu viel
Und schon ist der Abgrund Geschichte
Meine und Deine
Seine und Scheine
Beine und Weine
In neuen Schläuchen
Gut gefüllt aus alten Quellen
Nie versiegenden, nie versagenden
Viel sagenden, viel klagenden
Weibern in ihrer Niedertracht
Mit schwarzen Tüchern vorm Gesicht
Und jüngsten Tagen bei Gericht
Dem hohen hinterm Hof
Den sie gemacht der feinen Dame
Doch die ist umgesprungen
Ohne viel Federlesens
Und hat den König matt gesetzt
Den alten Narren auf weißem Feld
Dabei hat sie den Läufer überrannt
Den Springer links liegen ge-
Und den Turm zu Babel belassen
Aus der Ewigkeit stahl sich
Ein Dieb die Nacht
Und machte sie zum Tag
Aus der Traum
Das hat er nun davon
Freudlos zieht er seine Kreise
Auf Nebenbahnen
Bis ihn erlöst ein Abstellgleis
Auf einem Altenteil
Dort packt er aus sein Gnadenbrot
Und leidet keine Not
Aus der er eine Tugend schnitzen könnte
Die ihn erlösen würde
Aus seiner Qualität
Wohl oder Wehe
Dem, der liegt im Staube
Im Sande verlaufen
Sich die letzten Gerechten
Und die Gelinkten mit dazu
Von weit her schallt Gelächter
Und ruft es aus dem Wald
Hört auf, hört auf!
Die leise Stimme der Vernunft
Still und stumm
Auf einem Bein
Auf einem Stein
Ganz allein
Sein und Schein
Mein und Dein
Allein
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Ignaz Zwirngiebel
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BeitragVerfasst am: 10.09.2011, 07:58:35    Titel: Luft Antworten mit Zitat

Luft machen mit Duft der weiten Welt
Luft frankieren mit Duftmarken
Luft holen in und aus der Gruft
Luft verdichten zu Lust

Luft ist ein besondrer Stoff
Gewebt aus leicht und flüchtig
Gedreht aus Kringel und Wirbel
Geweht aus dem letzten Loch

Luft ist mein Element
Sie mischt sich ein
In mein Blut
In Stein und Bein

Luft gehört dazu
Kein Ton ohne sie
Kein Ohr, das sie nicht füttert
Kein Knall, von Ur bis Jericho

Luft geht ein und aus
In meiner Lunge
Auf deiner Zunge
Aus reiner Luftigkeit

Luft wiegt leicht, liegt schwer
Hüllt ein und strömt aus
Schwebt unentschieden hin und her
Bläht auf, zieht ab

Luft weht wo sie will
Trägt Vogelsang und -flug
Schlägt hart und unerbittlich
Klagt süß und flehentlich

Luft und Liebe
Ein Höllengespann
Ein Hirngespinn
Ein Leergewinn

Luft im Siebe
Licht im Sack
Wasser auf den Mühlen
Der Vergeblichkeit
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Ignaz Zwirngiebel
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BeitragVerfasst am: 18.09.2011, 09:04:15    Titel: Einsehen Antworten mit Zitat

Hab ein Einsehen mit meiner Einsicht
Meiner aussichtslosen
Meiner kurzsichtigen
Meiner milchglasigen
Meiner fehlenden

In Zeiten wie diesen
Diesen klumpfüßigen
Diesen schwerfälligen
Diesen kurzatmigen
Ist Nachsehen alles, was ich erhoffen darf

Die Schwindelmeister, die Gauklergurus
Verkaufen dir Einsichten
Wie Falschgeld
Blütenträume der Erkenntnis

Das böse Erwachen wischt du weg
Wie Fliegenscheisse
Und bestellst eine neue Einsicht
Eine noch höhere, noch tiefere

So versinkst du immer weiter
In Einsichten
Aussichtslosen

Du hast das Nachsehen
Ohne Nachsicht
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toll.er
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BeitragVerfasst am: 20.09.2011, 07:50:57    Titel: Antworten mit Zitat

Zum Glück gibt es ja noch die Vorsicht.
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Ignaz Zwirngiebel
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BeitragVerfasst am: 20.09.2011, 14:43:44    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, und die Vorsehung. Sieh dich vor, Holzauge. Wink
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Ignaz Zwirngiebel
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BeitragVerfasst am: 26.09.2011, 08:45:39    Titel: Anatomie und Antinomie Antworten mit Zitat

Die Goldbergvariationen im kleinen Finger
Die Aufklärung im großen Zeh
Den gallischen Krieg in der falschen Kehle
Und die Baghavad Gita im Steiß

Die gute Kinderstube liegt dir noch im Magen
Der alte Knigge müffelt im Socken
Adam und Eva nisten in der Milz
Und Abraham schläft in deinem Schoß

In der Leber die gesammelten Beleidigungen
Eines vermurksten Lebens
Aus dem Arsch weht ein lauer Wind
Nichts für hohe und weise Nasen
Doch die stecken im Aufzug fest

Der Verstand liegt unter Beschuß roter Krieger
Wagt sich nicht aus der Blutsenkung
Die Sinne gaukeln neuronale Muster
Auf deine weiße Weste

Du klammerst dich heimlich an den Rippenbogen
Verbeisst deine Kiefer in die Kausalität
Ein letzter Rettungsanker hakt im Schlüsselbein
Die Zeit baumelt zwischen den Ohren
Im Dreivierteltakt

Im Hirnstamm regt sich Widerspruch
Durch die Schulterblätter raschelt ein frischer Wind
Aus dem Herzen gähnt eine Mördergrube
Dem verschlossenen Auge entgegen

Lungenflügel flattern atemlos im Brustkorb umher
Durch die Blase schippert der Morgenkaffee
Aus den Poren strömt Verwesungsgeruch
Im Darm sitzt der Tod

Bevor die Hirnlappen wedeln zum letzten Gruß
Runzelt noch einmal die Stirn ihre Falten
Lupfen die Lider den Hut
Dann nehmen die Hände die Füß' in die Hand
Und reißaus über alle Venusberge
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peter sense
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BeitragVerfasst am: 26.09.2011, 18:51:25    Titel: Antworten mit Zitat

Grandios hingegrantelter Metaphernbruch.

Gefällt mir.

Manches erscheint mir sehr kenntlich, anderes eher weniger, wie das halt bei/in so einem Bruch ist. Ein Text, in dem die Assoziationen herum spazieren können, zuweilen werden sie (wird ihnen?) vor den Kopf gestoßen, das gehört dazu.

Einzig der laue Wind aus dem Arsch + dann noch mal den Tod im Darm - ist einmal zu viel.

Meint
Peter Sense
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Ignaz Zwirngiebel
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BeitragVerfasst am: 26.09.2011, 20:50:27    Titel: Antworten mit Zitat

Werther Sense,

danke ihm für die Anmerkungen, wie immer hilfreich.

Ausnahmsweise werde ich mal im Namen der guten Fromm behutsame Änderungen überlegen!

Gruß!
I.Z.
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Ignaz Zwirngiebel
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BeitragVerfasst am: 06.10.2011, 18:29:45    Titel: Sie kommen! Antworten mit Zitat

Gestern las ich
'Die Muslime kommen!'

Vorgestern las ich
'Die Russen kommen!'

Heute hörte ich
'Die Viren kommen!'

Was werde ich morgen lesen, hören, sehen?
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Ignaz Zwirngiebel
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BeitragVerfasst am: 07.10.2011, 13:28:48    Titel: Wörterabschaffen Antworten mit Zitat

Ich schaffe die Wörter ab
Die störenden und verstörenden
Die langweiligen und platten
Die öden und schnöden
Zuerst

Dann die hochtrabenden
Die hehren und leeren
Die stolzen und koketten

Dann die lieben und netten
Die schönen und gefälligen
Die sanften und zahmen

Bis ich meine Sprache geräumt
Geleert, entrümpelt und entschlackt
Verdichtet und konzentriert habe

Am Ende bleibe ich stumm
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peter sense
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BeitragVerfasst am: 07.10.2011, 16:11:18    Titel: Antworten mit Zitat

Nein nein, mag man der guten Fromm - bei aller Freude an der schön konstruierten Verlustlinie - zurufen, nicht abschaffen, die Wörter!
Auch wenn Hofmansthals Lord-Chandos-Brief und viele viele andere, vorgebliche und echte, Sprachpessimisten ins gleiche Horn tuten: Sie sind es nicht, die Wörter. Man bedenke nur, wie sie, von echten Könnern und Liebhabern wie Karl Kraus, Bert Brecht, Tucholsky oder Matthias Beltz, um ein paar ganz disparate zu nennen, angefasst, auf einmal bereitwillig ihre Hüllen fallen lassen und die schiere Wahrheit und nichts als diese zum Vorschein kommen lassen. Da wird das verhüllende, beschönigende, ja lügende Wort durch einen kleinen Dreh, ein winziges Gegen-den-Strich-bürsten, ja eine unmerkliche Betonungsänderung auf einmal gesprächig, ja geständig, sagt wie es ist, ohne Beschönigung, ohne Rücksicht.
Und im übrigen scheint es, liebe Fromm, so möchte man sagen, daß Ihnen diese Technik ja auch selber nicht ganz fremd ist!

In diesem Sinne,
der Sense
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Ignaz Zwirngiebel
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BeitragVerfasst am: 09.10.2011, 07:07:41    Titel: Antworten mit Zitat

Na ja, ein paar Gedichte (be)finden sich schon noch auf dem Dachboden.

Aber am Ende verstummte auch sie, die Kathi.

Gruß!
I.Z. (frommer Nachlaßverwalter)
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Ignaz Zwirngiebel
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BeitragVerfasst am: 14.11.2011, 20:23:21    Titel: Bleib November! Antworten mit Zitat

Nebel hängt vom Himmel
Wie schmutzige Wäsche
Kriecht dir in Hals und Nacken
Tropft eiskalt aus allen Poren

Novembermäuse rascheln
Huschen unter gereiften Blättern
Wie Irrlichter auf Tauchgang
Wer jetzt kein Haus

Ein halber Mond schaut lässig herab
Von besonnten Kratern
Hochmut kommt vor Neumond
Alter Knabe

Im Fernsehen aufgewärmter Kaffee
Auf allen Kanälen
Ein kleiner Igel vor der Tür
Begehrt Einlaß

Alles will rein
Spinnen, Mäuse, Asseln
Ein Weberknecht quetscht sich
zwischen Tür und Rahmen

Stopfleber und Gänseschmalz
Sankt Martin hilf
Doch der hat längst
Ausgeholfen - für immer

Und da der Schmetterling
Der baut sich keines mehr
Die Knospen auf dem Kirschbaum
Als wollten sie noch heute aufspringen

Der Bauer fährt Jauche spazieren
Bratäpfelschnapszeit
Mir graut vor Weihnachtsdekoration
Bleib, November, bleib!
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toll.er
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BeitragVerfasst am: 15.11.2011, 10:22:56    Titel: Antworten mit Zitat

Was ist das für ein schönes Stimmungsbild!!!
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Ignaz Zwirngiebel
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BeitragVerfasst am: 12.12.2011, 19:50:36    Titel: Unerhört Antworten mit Zitat

Wo Worte wenig sagen
Wo Bilder verschwimmen
Wo Dinge nichts wiegen
Wo Töne tragen
Stufe um Stufe
Aufgereiht im Gänseschritt
Oder im Zusammenklang
Aus der Tiefe beben
Durch die Luft schweben
Unentdecktes heben
An die Türe klopfen
An die Schläfen pochen
In die Eingeweide fahren
Ton um Ton
Aus dem Vergessen schlagen
Ton um Ton
In der Zeit vergraben
Ton um Ton
In die Stille tragen
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Ignaz Zwirngiebel
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BeitragVerfasst am: 17.12.2011, 06:51:31    Titel: Glücksfall Antworten mit Zitat

Ich hab kein Wort für Glück

Das kommt vielleicht von zu viel
Oder vom Sparen

Vielleicht aus Gewohnheit
Oder aus Überzeugung

Vielleicht durch Überreizung
Durch blau geschminkte Hoffnung

Ich hab kein Wort für Glück

Das ist nicht schlimm
Besser als Kranksein allemal

Sie alle haben viele Wörter für Glück

Vielleicht aus Gewohnheit
Mit Fransen dran und Rosenduft

Vielleicht aus Unordnung
In der Kommode neben der Eingangstür

Oder nur aus Langeweile
Auf Raten

Ich hab kein Wort für Glück
Zum Glück
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Dotschi G.
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BeitragVerfasst am: 19.12.2011, 16:34:14    Titel: Antworten mit Zitat

was ist schon Glück ?
ist doch nur, was man selber nicht gebacken kriegt
ist doch nur eigene Unfähigkeit, die hallo sagt.
Man wird auch nicht durch wegbleibendes Glück unglücklich,
nur neutralglücklich praktisch.

"Hallo"
"Hallo Glück, du hier?"
"Wie jetzt, was jetzt"?
"Was, wie was?"
"Nix wie was! Kann ich ja gleich wegbleiben!"
"Jo, mach man... bis dann! und sach 'n Gruß wenn d'n siehst!"
"Wen siehst?"
"Den, der dich brauchen kann."
"Mal sehn, an Weihnachten will mich keiner, woll'n alle nur Päckchen."
"Tja, so sind se. Denken, das Glück lege im Päckle, dabei steht 's vor der Tür. Vielleicht solltest dich rot bemützen."
"Ne. Dann würden mich die Leuts womöglich noch saisonssound-mäßig besingen. Das würde mich ziemlich unglücklich machen."
"Nu denn, pass auf dich auf, Glück! und: man sieht sich!"
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peter sense
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BeitragVerfasst am: 21.12.2011, 21:51:05    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Wörter für Glück ... mit Fransen dran und Rosenduft ...


Gern denkt man an das gute, altmodische Glück! (auch wenn man kein Wort dafür hat, vielleicht wohnt es in unordentlichen Kommoden).

Und ja, "saisonssound-mäßig besingen" läßt es sich nicht gerne, auch wenn es mal ganz auf modern geschminkt ist. Und jeder weiß ja, was von solchen Sprüchen zu halten ist wie "man sieht sich"!
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Ignaz Zwirngiebel
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BeitragVerfasst am: 04.01.2012, 08:45:53    Titel: Schlag Zwölfe Antworten mit Zitat

Eine kleine Terz
Zwischentöne auf dem Sims
Der Rest vom alten Jahr
Im Fell des Katers
Nichts als Teeflocken
Auf der Flucht vor dem Sturm
Scham im Nacken
Wo ist die Banalität
Wo ein sanftes Ruhekissen
Existenz im Einmachglas
Knallfrosch auf der Leiter
Strohhüte im Angebot
Abgebrannt die Zuversicht
Frösteln im Karamelmantel
Lachsrot der Morgen
Auf meinem Tellerrand
Die Krümel von gestern
Im freien Fall vom hohen Roß
Polterknechte aus Zinnober
Geistern durch die Fliederträume
Schlag Zwölfe
Im Schafspelz
Auf der Lauer
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Ignaz Zwirngiebel
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BeitragVerfasst am: 29.01.2012, 10:01:20    Titel: Suche Antworten mit Zitat

Ich suche nach was
Nach was denn
Nach einem Schimmer vielleicht
Verloren zwischen zwei Besorgungen
Oder zwei Sorgen
Nach einem Mittag vielleicht
Oder einem Morgen
Ich suche was
Was denn nur
Einen Ausweg vielleicht
Oder ein Schlupfloch
Einen Gedanken vielleicht
Einen verprellten
Oder nur den Schlüssel
Den verlegten
Ich finde was
Auf meinem Festerbrett
Ein Verwirrspiel aus Sonnenlicht
Und Schattenwurf
Ein Ahnungslos aus Glanzpapier
Und Zuversicht
Ich finde was
In meiner Kaffeeschale
Ein Körnchen Wahrheit vielleicht
Zuckersüß
Aufgelöst
Hinuntergeschluckt
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peter sense
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BeitragVerfasst am: 30.01.2012, 10:06:09    Titel: Antworten mit Zitat

Nun hat sie wieder feine Sachen serviert, die Kathi, selbstgebacken, ganz ohne Konditorallüren.
Und Streusel draufgesteut, wie der "Schimmer vielleicht / Verloren zwischen zwei Besorgungen / Oder zwei Sorgen"
Wie gesagt, ganz auf Zuckerguss verzichtet, (was den meisten schwer fällt) dafür manch "kleine Terz / Zwischentöne".

Man sollte die Stückchen nicht allzu flott reinschaufeln.

"Auf der Flucht vor dem Sturm / Scham im Nacken / Wo ist die Banalität"

Wo alles banal ist, gibt es keine Banalität mehr.

Grüße, Peter Sense
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Ignaz Zwirngiebel
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BeitragVerfasst am: 22.04.2012, 08:26:52    Titel: Besetzt Antworten mit Zitat

Halte mich auf
Kann gar nicht anders
Immer irgendwo

Halte mich auf
Kann gar nicht anders
Immer irgendwann

Halte mich auf
Kann gar nicht anders
Da und dort

Wo ich bin, kann nichts anderes sein
Kann gar nicht anders sein
Wo ich bin

Wann ich bin, ist alles andere zugleich
Kann gar nicht anders sein
Wann ich bin

Besetze und bin besetzt
Kann gar nicht anders sein
Hier und jetzt
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Dotschi G.
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Wohnort: dahinderschefirsch

BeitragVerfasst am: 22.04.2012, 15:38:34    Titel: Antworten mit Zitat

Mit deinem Text kommt große Gehetztheit rüber.
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