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Pascal Mercier

 
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Marquis de Josilin
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Anmeldedatum: 29.12.2007
Beiträge: 340
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BeitragVerfasst am: 04.01.2008, 22:47:09    Titel: Pascal Mercier Antworten mit Zitat

eine Reminiszenz aus dem Etablissement des LC-Forums Mr. Green
(das stand dort mal drin, meine ich)

Lea, Novelle

Aus der Erinnerung des Biokybernetikers Martijn van Vliet erfahren wir vom Schicksal seiner Tochter, ihren Gang in den Wahnsinn. Es wird klar, van Vliet fühlt sich ihrem schweren Schicksal schuldig und wird von Träumen verfolgt. „Als müsse man meine Tochter vor allem vor mir beschützen“ heißt es.

Durch ihre Zuwendung zur Musik überwindet Lea die Trauer über den Tod ihrer Mutter. Die Trauer der Tochter war für den Vater ein Bindeglied zur Mutter. Als Leas Trauer verflog, entglitt dem Vater seine verstorbene Ehefrau völlig und machte Lea für diese persönliche Katastrophe verantwortlich, obwohl das Mädchen natürlich keine Schuld trägt. Das Problem liegt eindeutig beim Vater, der sagt ...“ in die Trauer mischte sich ein unvernünftiger unsichtbarer Groll gegen Lea, die mir meine Frau wegnahm, ohne die ich viel früher schon entgleist wäre.“ Mit ihrem Violinspiel, ihrem Anspruch eine perfekte Künstlerin zu sein, driftet Lea geistig in für außenstehende unerreichbare Welten ab. Beide, Vater und Tochter, leiden unter gegenseitiger Entfremdung. Martijn van Vliet kann nie in Leas Musikwelt eindringen. Er versucht zwar, Lea auf Konzertreisen zu unterstützen, steigert sich aber geradezu hysterisch in unüberlegte sinnlose Handlungen und Sorgen hinein, eine Flucht vor seinem einsamen Ich. Lea hilft das gar nicht. Sie geigt wie eine balancierende Tonfee am Abgrund, bis alle Saiten reißen. Beiden entgleitet die Bodenhaftung.

Eine Thematik, die mich interessiert, und so schlecht ist das Buch nicht, wie ich es in manchen Kritiken lesen und im TV hören konnte. Zuerst ist es wichtig, es handelt sich ausdrücklich um eine Novelle, d.h., es kreist sich um ein einziges Thema, von dem nicht abgewichen wird, und es gibt auch eine „besondere Begebenheit“, um die sich alles kreist. Ein Roman, wie z.B. „Der Nachtzug nach Lissabon“ ist dann folglich auch vielschichtiger als eine Novelle. Natürlich könnte man kritisieren, warum die heute unübliche Form der Novelle gewählt wird. Dabei wäre aber zu beachten, Mercier bezieht sich ganz bewusst auf das neunzehnte Jahrhundert (van Gogh, Pagannini), auch die Erwähnung von Schallplatten bezeugt einen Hang nach Vergangenem.

Ein Manko, der Autor hätte der innerseelischen Einsamkeit des van Vliet mehr Aufmerksamkeit schenken können, immerhin erzählt der Protagonist aus seiner Sicht. Die familiäre Vergangenheit des Adrian Herzog zeigt sich so nebenbei, dass ich ihr weniger Aufmerksamkeit schenkte. Insgesamt ein schönes Buch für Leser, die Wahnsinnsthemen mögen. Die Novelle ist auch schön erzählt mit Andeutungen und auf den letzten 70 Seiten schraubt sich die Spannung dem Gesamttext angemessen etwas höher. Mir gefällt so was mehr als Kehlmann &Co.

Liebe Grüße vom Marquis
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max
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BeitragVerfasst am: 14.01.2008, 20:10:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Marquis de Josilin,
ich habe gerade mit dem Lesen von Lea angefangen. Habe auch Nachtzug nach Lissabon gelesen und das kommt mir doch eindringlicher vor als Lea. Bei uns in den Niederlanden ist es noch nicht (auf Niederländisch) veröffentlicht. Über Nachtzug nach Lissabon habe ich mit Kollegen schon ausführlich diskutieren können, aber über Lea kann ich das nicht, weil meine Kollegen das Buch nicht auf Deutsch lesen können/möchten.
Obwohl ich das Buch noch nicht zu Ende gelesen habe (bin auf Seite 100 angelangt), ist mir die Rolle van Adrian nicht ganz klar. Könnte man sagen, dass Adrian Martijn behilflich ist bei der Rekonstruktion seines Lebens? Hilft Adrian Martijn zu akzeptieren, dass er Lea nicht retten konnte. Was sind deine Ideen dazu? Ich muss das Buch natürlich noch zu Ende lesen, also sage bitte nicht zuviel! Wink Hoffe von dir zu hören. Max
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Marquis de Josilin
Flohmarktbuchabstauber/In


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Anmeldedatum: 29.12.2007
Beiträge: 340
Wohnort: Morhiban/Oberpfalz

BeitragVerfasst am: 15.01.2008, 02:41:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Max,

so weit ich mich erinnern kann, erzählt van Vliet die ganze tragische Geschichte aus seiner Erinnerung dem Herrn Adrian Herzog, den er zufällig in der Provence begegnet. Aufgrund des tragischen Verlaufs von der Geschichte um Lea und ihren Vater, erinnert sich Adrian Herzog an einige Schicksale aus seiner eigenen Familie. So haben wir doch zwei unglückliche Männer, die schließlich zu Freunden werden, nicht wahr? Ich empfand Herzog aber eher als Nebenfigur und konzentrierte mich mehr auf van Vliets Beziehung zu seiner Tochter, worum es in dem Roman in erster Linie auch geht.

Liebe Grüße vom Marquis
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Verfasst am: 15.01.2008, 02:41:41    Titel: Ähnliche Themen

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