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Die Habenichtse von Katharina Hacker

 
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Rulaman
Kaffeekasseneinzahler/in


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Anmeldedatum: 29.03.2008
Beiträge: 17
Wohnort: Dresden

BeitragVerfasst am: 30.06.2008, 08:55:09    Titel: Die Habenichtse von Katharina Hacker Antworten mit Zitat

Vor einigen Tagen habe ich mit den Habenichtsen von Katharina Hacker begonnen - und habe unendliche Mühe, richtig in das Buch hineinzufinden. Bislang kann ich jedenfalls noch nicht begreifen, wie dieses Buch den Deutschen Buchpreis bekommen konnte. Hat es jemand bereits durchgelesen und andere, bessere Erfahrungen gemacht? Momentan neige ich eher dazu, es beiseite zu legen, aber vielleicht kann mich jemand davon abhalten?
Grüße
Rulaman
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Madge
Flohmarktbuchabstauber/In


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Anmeldedatum: 14.12.2007
Beiträge: 340
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 30.06.2008, 09:51:16    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Ich will mal kalauern: Von den „Habenichtsen“ habe ich nichts gehabt.
Seltsamerweise habe ich mich trotzdem mit dem Buch beschäftigt und wollte selbst auch immer mal einen Ordner eröffnen. Jetzt stelle ich das gleich hier mit rein.

Ein bisschen zum Inhalt:
Die Geschichte spielt kurz nach dem 11. September 2001 in Berlin und London Ein Mann und eine Frau - Mitte dreißig - er Rechtsanwalt und mit der Durchsetzung der Rechte von Alteigentümern im Osten beschäftigt, sie Grafikerin - treffen sich nach einigen Jahren wieder und beschließen zu heiraten.
Es wird verdeckt intendiert, dass er sie immer für seine Frau ausersehen hat oder so ähnlich. Sie lebt ein Leben in der neuen Mittelschicht am Prenzlauer Berg – die Choriner Straße, die dort zu finden ist, kommt immer mal vor. Sie kann sich nicht zwischen einer lesbischen Liebe und einem Kollegen aus Ungarn in der Agentur, für die sie arbeitet, entscheiden oder sie will auch gar nicht. Was weiß ich. Das alles ist blass und soll ja auch die Blässe des Lebens, das die Protagonisten führen, zeigen. Wobei das alles sehr kunstfertig verfasst ist. (Ich will mal lästern: Germanistinnenprosa.)

Er tritt in einer Londoner Kanzlei eine lukrative Stelle an, sie geht mit. Umschattet ist dieser Handlungsteil von der Botschaft, dass der Held diese Stelle nur deshalb bekommt, weil ein anderer Kollege in der Kanzlei beim Anschlag auf das WTC getötet worden ist.

Sie ziehen in ein Haus in einer heruntergekommenen Gegend Londons. Im Nachbarhaus spielen sich menschliche Dramen ab. Es poltert an die Wand: Mir fiel das Lied von Suzanne Vega ein: „My name is Lucca“. Aber die beiden bleiben davon unberührt zumindest eine ganze Weile.

Er ist fasziniert von seinem Arbeitgeber, einem deutschen Juden, Kind von Emigranten. Sie hat eine merkwürdige Faszination für einen kleinen Ganoven in der Umgebung, das ist die literarische Verbindung zu dem sozialen Umfeld. Alles ist ungenau und geht nicht unter die Haut. Das soll es auch nicht. Am Ende kommt es zu einer menschlichen Katastrophe, wenigstens behauptet das der Klappentext. Ein Kind wird schwer verletzt, dieses Kind ist eine traurige Existenz.

Es stellt sich die Frage, ob man einen interessanten Text über das Desinteresse überhaupt hinkriegen kann und finde da auch keine Antwort. Dieses Ungefähre, dieses Blasse –ein bisschen erinnert es an Judith Herrmann. Da dachte ich auch immer: „Was gehen einen diese Leute an“.

Mich persönlich stört generell, wenn Geschichten miteinander verflochten werden. Wenn es aber denn schon sein soll, wie in dem ständigen Wechsel zwischen diesen gehobenen Mittelschichtlern, den Londoner Unterschichtlern und den Kleinkriminellen, dann muss es auch Spannung aufrecht erhalten.

Anmerkung:
Der Zufall will, dass in der Zeit, da ich das Buch beim Wickel hatte, gerade der neue Armutsbericht in den Medien erschien. „Aha“, dachte ich so bei mit. „Die sind viel ärmer, diese gehobenen Bürgerlichen mit ihren Agenturen und ihren Kanzleien und ihrem Tun und Treiben. Das sind also die armen Schweine. Die leben ja gar nicht richtig.“ Und in Abwandlung einer Moritat aus der „Dreigroschenoper“ dachte ich noch: „Nur wer in Armut lebt, lebt intensiv“. Na, ich weiß ja nicht.

Gruß Madge
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Rulaman
Kaffeekasseneinzahler/in


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BeitragVerfasst am: 30.06.2008, 12:38:46    Titel: (My name is Lucca) Antworten mit Zitat

("My name is Lucca" jagt mir noch immer regelmäßig Schauer über den Rücken! Ebenso ein Lied, das beginnt mit "Last night I heard a screaming, loud was it behind the wall, another sleepless night for me...", von wem war das doch gleich? Aber a propos Suzanne Vega: "Tom's Diner" hätte man doch gerne selbst geschrieben, es ist wunderbar!
Grüße
Rulaman)
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Rulaman
Kaffeekasseneinzahler/in


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Anmeldedatum: 29.03.2008
Beiträge: 17
Wohnort: Dresden

BeitragVerfasst am: 30.06.2008, 12:44:18    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, gerade die beiden parallelen Erzählstränge, von denen Du sprichst, gefallen mir nicht. Es werden zu viele Personen in zu kurzer Zeit eingeführt, jeweils auch Freunde usw., die aber zu wenig Gestalt annehmen, als daß man sie sich merken könnte; zugleich bleibt zu lange unklar, wie eigentlich alles zusammenhängt.
Grüße
Rulaman
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Forenking






Verfasst am: 30.06.2008, 12:44:18    Titel: Ähnliche Themen

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Mischa
Kaffeekasseneinzahler/in


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Anmeldedatum: 08.01.2008
Beiträge: 9

BeitragVerfasst am: 11.07.2008, 20:47:46    Titel: Antworten mit Zitat

Tja halt ein weiterer mißglückter Beitrag zum Thema:

"Wie stelle ich das langweilige Dasein langweiliger Menschen, die sich in ihrem Dasein langweilen so dar, dass wenigstens der Leser nicht angeödet ist?" popsmilies_icon_yawn
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peter sense
BuchClubZwangsMitGlied/In


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Beiträge: 2427

BeitragVerfasst am: 14.07.2008, 06:51:24    Titel: Antworten mit Zitat

Also die "Germanistinnenprosa" hats mir angetan. Das Wörtchen, keinesfalls das Genre!

"Manchmal fällt mir einfach nichts ein," klagte der Autor. "Stimmt, das Buch habe ich leider gelesen", war die Antwort.

Zufälligerweise ist mir im Urlaub ein Büchlein untergekommen, welches als Gegenbeispiel für die "Germanistinnenprosa" gelten kann:
"Älter werden" von Silvia Bovenschen. Ein bisschen Biographie, ordentlich durchreflektierte Beobachtungen und Einsichten, so in etwa Adorno light für die fortgeschrittene Jugend, kühl, kein bisschen wehleidig. Ich werde mir bald das Vergnügen der zweiten Lektüre gönnen.

Grüße von Peter Sense,
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Madge
Flohmarktbuchabstauber/In


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Beiträge: 340
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BeitragVerfasst am: 14.07.2008, 10:26:33    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
"Älter werden" von Silvia Bovenschen.

Danke für den Tipp. Ich habe mir das gerade kommen lassen. Nun fange ich - bestimmt neiderfüllt - bald an zu lesen. Das muss wirklich gut sein.

Gruß
Madge
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morelli
Kaffeekasseneinzahler/in


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BeitragVerfasst am: 07.08.2008, 13:15:51    Titel: Re: (My name is Lucca) Antworten mit Zitat

Rulaman hat Folgendes geschrieben:
(...) Ebenso ein Lied, das beginnt mit "Last night I heard a screaming, loud was it behind the wall, another sleepless night for me...", von wem war das doch gleich? (...)


"Behind The Wall" von Tracy Chapman
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Verfasst am: 07.08.2008, 13:15:51    Titel: Ähnliche Themen

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