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Alain Robbe-Grillet

 
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Marquis de Josilin
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Beiträge: 340
Wohnort: Morhiban/Oberpfalz

BeitragVerfasst am: 11.04.2008, 16:02:32    Titel: Alain Robbe-Grillet Antworten mit Zitat

Alain Robbe-Grillet „Der Augenzeuge“

Erst als am 18. Februar 2008 die Nachricht umging, Alain Robbe-Grillet sei im Alter von 85 Jahren gestorben, drang der Autor in mein Bewusstsein. So habe ich mir den Roman „Der Augenzeuge“ besorgt, ein wichtiges Werk des „Nouveau Roman“, zu deren Hauptvertretern Robbe-Grillet gezählt wird. Im „Nouveau Roman“ geht es nicht um Psychologisierung der Figuren, sondern es werden Ereignisse sehr bildhaft und bis ins Detail genau erzählt, unter Verwendung von Metaphern.

In dem Roman „Der Augenzeuge“ tauchen immer wieder Möwen auf, die sozusagen auch zu Zeugen des Geschehens auf der Insel werden. Auch der Mord um den es geht, wird von einem Augenzeuge beobachtet. Allerdings handelt es sich hier weniger um einen Kriminalroman, auch wenn auf dem Umschlag dafür geworben wird. Im letzten Teil des Romans steigt die Spannung, wenn es um die Alibis verdächtiger Personen geht.

Die Handlung an sich scheint aber sekundär zu sein, zumal inhaltlich auch sehr wenig passiert: Da fährt jemand auf eine Insel, verkauft dort mehr oder weniger erfolgreich Uhren, die er in seinem Köfferchen mit sich trägt. Als Transportmittel leiht er sich ein Fahrrad, weil die Kette kaputt geht, erreicht er nicht mehr sein Schiff zurück. Und der Mord noch.

Warum sollte man das lesen?

Der Roman ist ein gutes Beispiel dafür, das Sprache wichtiger sein kann, als der Inhalt. Sprachliche Höhepunkte m.M.n., wenn er von den Möwen und dem Meeresrauschen erzählt, und wenn es um das Alibi geht. Die Bildhaftigkeit der Dinge hat sich in meinem Kopf so eingepägt, als ob ich selber auf der Insel gewesen wäre. Im Grunde genommen ist der Leser auch ein Augenzeuge, weil der Leser mit Bildern umrauscht wird. Eine Sprachorgie.

Textbeispiel:

Robbe-Grillet hat Folgendes geschrieben:
„Das Wetter war sehr ruhig, ohne ein Windchen. Es fiel ein leiser, feiner, unaufhörlicher sanfter Regen, der zwar den Horizont verhängte, aber nicht ausreichte, um die Sicht in geringere Entfernungen zu trüben. Es sah im Gegenteil so aus, als würde den ganz in der Nähe liegenden Dingen in dieser gewaschenen Luft ein zusätzlicher Glanz zuteil – besonders wenn ihre Farbe hell war wie die Möwe. Er hatte nicht nur die Umrisse ihres Körpers abgebildet, die graue eingezogene Schwinge, den einzigen Fuß (der den anderen grau verdeckte) und den weißen Kopf mit seinem runden Auge, sondern auch die geschlängelte Randlinie des Schnabels mit der herabgebogenen Spitze, die einzelnen Federn am Schwanz sowie am Schwingenrand und sogar die wie Schiefer übereinandergefügten Schuppen längs des Fußes.“


Kleine Minikritik: Nicht immer leicht zu lesen. Scharfgeschnittene Konzentration. Man wird aber belohnt dafür.

Hat noch jemand Leseerfahrungen mit Robbe-Grillet gemacht? Und welche? Das würde mich sehr interessieren.

Liebe Grüße
Marquis de Josilin
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Patmos
Gast





BeitragVerfasst am: 13.04.2008, 09:42:04    Titel: Antworten mit Zitat

Danke, Martin, der Tetxausschnitt erinnert mich ein wenig, und sehr entfernt, an die Mann'sche Schachtelsätzerei, was aber nichts daran ändert (vielleicht auch gerade aus dem Grund), mir das Buch zu "Gönnen".
Sieht allerdings etwas "Mau" aus, in der Bucht jedenfalls ist das Angebot nicht gerade begeisternd.
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Roquairol
Flohmarktbuchabstauber/In


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Anmeldedatum: 15.12.2007
Beiträge: 278
Wohnort: 51° 19' 49'' N, 06° 33' 49'' O

BeitragVerfasst am: 13.04.2008, 10:20:48    Titel: Antworten mit Zitat

Ich kenne von ihm "Ein Tag zuviel", eine Art Neubearbeitung der Ödipus-Geschichte: Ein Kommissar ermittelt in einem Mordfall, der noch gar nicht passiert ist, um am Ende entdecken zu müssen, daß er selbst der prädestinierte Mörder ist, den er sucht. Liest sich auch so kompliziert, wie es sich hier anhört. Harte Kost ...
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Verfasst am: 13.04.2008, 10:20:48    Titel: Ähnliche Themen

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