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Per Petterson

 
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Marquis de Josilin
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Beiträge: 340
Wohnort: Morhiban/Oberpfalz

BeitragVerfasst am: 01.03.2008, 09:06:34    Titel: Per Petterson Antworten mit Zitat

eine Reminiszenz aus dem Etablissement des LC-Forums Mr. Green
(das stand dort mal drin, meine ich)


und warum schreibe ich es hier wieder hinein? Weil es ein absolut wunderbares Buch ist.

Per Petterson: Pferde stehlen

„Ich will mir die Zeit nehmen, die es braucht. Zeit ist jetzt wichtig für mich, denke ich. Nicht daß sie schnell oder langsam vergeht, sondern die Zeit an sich, etwas, worin ich lebe und das ich mit physischen Dingen und Aktivitäten füllen kann, um sie aufzuteilen, so daß sie für mich deutlich wird und nicht verschwindet, ohne daß ich es merke.“


Sommer 1948: Trond macht mit seinem Vater in einer Hütte in Norwegen auf dem Lande Urlaub. Dort gibt es einen Fluss, der aus Schweden kommend nach Norwegen fließt und wieder nach Schweden zurück. Niemand kann sagen, ob das Wasser des Flusses schwedisch oder norwegisch ist. Wie das Wasser ewig weiter fließt, spielen am Fluss einige menschliche Dramen nacheinander ab, mit einem Paukenschlag oder auch nur sehr sanft mit Andeutungen.

Per Petterson hat einen Roman über die Zeitlosigkeit geschrieben, selbst die Zeitsprünge im Text gehen so fließend ineinander über, dass wir diese gar nicht als Zeitsprung warnehmen. Die herrliche Kraft der Natur, das Gefühl, alles sei nur eins, hat der Norweger in den erzählerischen Fluss gewebt. Dabei kommt mir Goethes „Dauer im Wechsel“ in den Sinn.

Die Romanhandlung selbst erscheint nur sekündär. Trond, der sich mit siebenundsechzig Jahren zur Jahrtausendwende an die Geschehnisse des Sommers 1948 zurückerinnert, lebt einsam und zurückgezogen irgendwo in der Landschaft Norwegens. Wie damals als Kind ist er mit Holzfällen, Sägen und mit Schreinerarbeiten beschäftigt. Damals allerdings mit seinem Vater, der plötzlich verschwand. Es geht um Leben, Liebe und Tod. Sein Vater schleuste mit Jons Mutter im Krieg politisch verfolgte über die Grenze nach Schweden. Mit Jon ging Trond "Pferde stehlen".

Die Naturbeschreibungen, die Gedanken des älteren Trond sind Glanzlichter zeitgenössischer Literatur.


„Ich nahm den Milchkrug und goß etwas Milch in die Tasse. Das machte den Kaffee matter, dem Licht ähnlicher und nicht so stark, und ich kniff die Augen zusammen und sah über das Wasser, das direkt vor dem Haus langsam vorbeifloß. Es glänzte und blinkte wie tausend Sterne, wie die Milchstraße irgendwann im Spätherbst vielleicht, wenn sie schäumend vorbeirauscht und sich wie ein endloser Strom durch die Nacht schlängelt, und du liegst bisweilen in der großen Dunkelheit am Fjord, den Felsen hart im Rücken, und starrst nach oben, bis die Augen schmerzen, und spürst das Gewicht des Weltalls in all seiner Breite auf deiner Brust, bis du kaum noch atmen kannst oder aber hochgehoben wirst und wie ein Staubkorn aus Menschenfleisch in einem endlosen Vakuum verschwindest und nie mehr zurückkehrst.“

Ich freue mich natürlich über eure Kommentare zu diesem Buch, oder möchte jemand ein anderes Werk dieses Autors vorstellen? Ich habe zuversichtliche Hoffnungen, dass die anderen Romane auch ein großartiges Erlebnis sein können.

(diese Rezi habe ich damals für unseren werten ascolto geschrieben Laughing )

Liebe Grüße
Marquis de Josilin
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Verfasst am: 01.03.2008, 09:06:34    Titel: Ähnliche Themen

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