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Laurence Sterne - Tristram Shandy

 
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peter sense
BuchClubZwangsMitGlied/In


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Anmeldedatum: 14.12.2007
Beiträge: 2405

BeitragVerfasst am: 05.02.2013, 20:07:06    Titel: Laurence Sterne - Tristram Shandy Antworten mit Zitat

Seit Monaten lese ich an / in einem ganz besonderen Buch, dem Tristram Shandy von Laurence Sterne. Nicht, dass ich nicht schneller lesen könnte. Da wird dies und jenes zwischengeschoben - und danach kommt es mir immer wie ein Heimkehr vor. Irgendwann hatte ich, vor xx Jahren, mir das gelbe kleine Reclam-Briquett besorgt und es dann aber bald beiseite gelegt - wir hatten wohl noch nicht zusammengepasst, das Buch und ich. Jetzt aber sehe ich mit einer gewissen Wehmut auf die wenigen noch verbleibenden Seiten, habe gar, im Versuch das Ende hinauszuschieben, das Nachwort gelesen und im Netz weitere Shandy- und Sterne-Infos eingeholt. Überflüssig. Nicht überflüssig hingegen die schulmäßig ausführlichen Anmerkungen in meinem Reclam-Bändchen, die helfen, dem hilflosen Gefühl angesichts der vielen Namen und anderen Anspielungen zu entgehen. Ohne diese wäre, zumindest mir, der Spaß arg getrübt, wie man sich bei einer angeregten, anspielungsreichen Unterhaltungsrunde fühlen mag, der man nicht zu folgen können glaubt - ohne zu merken, dass die eigentlichen Informationen in etwas ganz Anderem bestehen, dem man sehr wohl folgen kann, und das ganz einfach, groß und klar durchscheint.

Dieser scheinbar ziellos dahinmäandernde Erzälfluss, diese kleinen, pointierten Episoden, die dann überraschenderweise doch immer wieder noch einmal getoppt werden - das garantiert höchste Leselust und lädt richtig zum Bummeln ein. Dazu immer noch oder wieder modern erscheinende Erzähltechniken wie das völlige Durchbrechen der zeitlichen Kontinuität, ironische, schmeichlerische oder auch scheinbar moralisierende Leser-Ansprachen, das genussvolle Zerstören kunstvoll aufgebauter Erwartungshaltungen, ein sehr freier Umgang mit dem Buchsatz, stilistische Extravaganzen wie das Auslassen von Kapiteln (und im nächsten wird dann detailliert erläutert, warum man das letzte Kapitel dem geneigten Leser keinesfalls zumuten konnte...) ach - ich könnte ins Schwärmen kommen. Achso, ich schwärme schon. Nun denn.

Das überschaubare Personal des Buches - die Shandy-Familie eben - Leute voller Macken und Ecken, die wie wild ihre Steckenpferde reiten und dabei doch von ihnen Spleens beherrscht werden. Sorgfältig aufgetürmte Situationskomik, die immer wieder krachend zusammenfällt. Durchzogen von sexuellen Anspielungen, die jedem gestandenen Freudianer das Wasser um Munde oder sonstwo zusammenlaufen ließen. Die derbsten Witze zusammen mit den kunstvollsten Aussparungen. Böse Satiren auf Wissenschaft, Politik, Medizin, und auf die Theologen - obwohl der Sterne doch selber einer war. Eine durchaus hinreichende Menge von Selbstironie des Autors (als vorgeblicher Lebensbericht-Schreiber hat er die Unmöglichkeit von Autobiografien gleich mitbewiesen.) Ich glaube nicht, dass das Buch letztlich versöhnlich und nicht "böse" ist, wie der Nachwortschreiber meint. Gut, Sterne fehlt diese schwarze Verzweiflung, die oft Moderneres auszuzeichnen scheint. Der schwarze Humor, der Sarkasmus und die Lebensweisheit fehlt ihm nicht.
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Ignaz Zwirngiebel
BuchClubZwangsMitGlied/In


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BeitragVerfasst am: 06.02.2013, 07:17:11    Titel: Antworten mit Zitat

Ich kenne das Buch nicht und weiß auch nicht, ob ich es je anschaffen, geschweige denn lesen werde, aber so wie du es beschreibst, ist es ein Buch für die Insel ...

Gruß
Zwirng.
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Dotschi G.
Flohmarktbuchabstauber/In


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Anmeldedatum: 05.05.2011
Beiträge: 256
Wohnort: dahinderschefirsch

BeitragVerfasst am: 08.02.2013, 14:42:34    Titel: Antworten mit Zitat

Die neun Bände á etwa 130 Seiten ?
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Forenking






Verfasst am: 08.02.2013, 14:42:34    Titel: Ähnliche Themen

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peter sense
BuchClubZwangsMitGlied/In


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Anmeldedatum: 14.12.2007
Beiträge: 2405

BeitragVerfasst am: 08.02.2013, 20:54:01    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, es ist ein "Buch für die Insel" und nochmals ja, der Sterne hatte es in neuen Büchern veröffentlicht. Und ich bin leider schon im achten. Gerade jetzt beginnt das Liebeswerben zwischen Onkel Toby und der Witwe Wadman etwas "handfester" zu werden. Man erwartet die Story ja nun schon seit dem 1. Buch und über 600 Seiten lang, begleitet von zahlreichen Beteuerungen des Autors, dass er seine Leser nicht unnötig auf die Folter spannen wolle. Aber auch hier ist der Weg das Ziel. Im ganzen letzten Buch wurde immer häufiger diese Geschichte in Aussicht gestellt, begleitet von einer umfassenden Einstimmung des Lesers auf diese Liebesthematik.

Der Ich-Erzähler reist durch Frankreich und ergötzt uns immer wieder mit Beschreibungen von besonders hübschen Zimmermädchen, erfreut uns mit dem ausführlichen Bericht von der Reise einer Mutter Oberin und ihrer unschuldigen, sehr hübschen und züchtigen jungen Novizin, die ihre Reise irgendwann nur noch Kraft allerderbster und anzüglichster Kutscherflüche fortsetzten können, von ausgelassenen Tänzen unter Maibäumen unter der Sonne Südfrankreichs, wo es so viele Maibäume gibt, dass die Wälder ernstlich in Gefahr geraten und wo die Mädels vielfach geschlitzte Röcke tragen, sogar die Unterröcke sind geschlitzt. Er berichtet uns vom flinken Fingerspiel zwischen geschlitzten Pelzen, welche sich letztlich als Fellmütze erweisen. Das große, berühmte Denkmal der zwei Liebenden - natürlich gibt es auch die tragische Liebesgeschichte zum Denkmal - wird vom Protagonisten aufgesucht, es war noch vor Kathedralen, Schlössern und berühmten Bibliotheken auf seiner Besichtigungsliste, welche, nebenbei bemerkt, aufgrund allerlei verworrener Umstände, nämlich eines kompleten Kutschen-Zusammenbruchs, als Wickelkern in den Locken einer frischfisierten Französein landete - das große, berühmte Denkmal allerdings - bezeichnenderweise stand auf dem Weg zu ihm ein Esel, mit dem in aller Ausführlichkeit philosophisch disputiert werden muss, im Tor und im Wege - das Denkmal der berühmtesten Liebenden aller Zeiten erweist sich zur allergrößten Enttäuschung als schlicht inexistent.

Es versteht sich, dass dieses nur einer der Flechtstränge des dicken Prosa-Zopfes ist, den Sterne da zusammendreht und der das 8. Buch gerade so wie alle anderen durchzieht. Eigentlich wollte ich mich bis zu den angekündigten Handspielen des Onkels Toby der Witwe Wadman vorarbeiten - sogar zu einem anhaltenden Bein-Gegen-Wadendruck soll es beim Nebeneinanderstehen gekommen sein, aber meine Pflicht als getreuer Chronist gebietet mir, dem Leser wenigstens das Allerwichtigste auf dem kurvenreichen Wege dorthin nicht zu unterschlagen. Da wird der getreue Leser wohl auf den nächsten Beitrag warten müssen, falls ich noch einen dazu schreibe.
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Ignaz Zwirngiebel
BuchClubZwangsMitGlied/In


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Anmeldedatum: 15.12.2007
Beiträge: 2494
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BeitragVerfasst am: 09.02.2013, 06:31:06    Titel: Antworten mit Zitat

Nun, deine Schilderungen machen ja richtig Appetit auf das Machwerk. Und Südfrankreich ist doch immer eine Reise wert, mal sehen, ob der Kaufrausch über mich kommt,

Danke für den Appetizer.
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peter sense
BuchClubZwangsMitGlied/In


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Anmeldedatum: 14.12.2007
Beiträge: 2405

BeitragVerfasst am: 26.02.2013, 10:38:20    Titel: Antworten mit Zitat

Welche Enttäuschung - habe mir noch ein Sterne-Werk gekauft, ein Insel TB von "Yoricks Reise des Herzens ...". Und, was soll ich sagen, so ziemlich alles, was mir am "Tristram .." gefiel, fehlt hier. Die wilde Typographie. Die (scheinbar) umständliche Sprache. Ein glatter Buchsatz, eine glatte Übersetzung, und schon ist es aus mit dem ganzen Spaß. Das reißt auch die Bebilderung nicht raus - eher im Gegenteil. Schade eigentlich.

Grüße, Peter Sense
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Forenking






Verfasst am: 26.02.2013, 10:38:20    Titel: Ähnliche Themen

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