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Dürrenmatt 'Die Panne'

 
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Ignaz Zwirngiebel
BuchClubZwangsMitGlied/In


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Anmeldedatum: 15.12.2007
Beiträge: 2494
Wohnort: ja

BeitragVerfasst am: 27.12.2012, 16:35:47    Titel: Dürrenmatt 'Die Panne' Antworten mit Zitat

Man mag Dürrenmatt, oder man mag ihn nicht. Die ihn nicht mögen, lehnen ihn ab, massiv und fanatisch. So meine Erfahrung. Die ihn mögen, mögen ihn oft leidenschaftlich und entwickeln eine Sucht nach seiner Sprache.

D. ist oft grotesk, oft übertrieben, manchmal kitschig - doch nicht naiv-sentimental, sondern mit Absicht, Distanz und Ironie. Seine Geschichten sind alltäglich und drehen allmählich ins Absurde. Seine Charaktere sind grell, krass oder blaß, banal.

In 'Die Panne' kippt eine alltägliche Begebenheit in ebendieses Groteske, Absurde. Ein banaler Durchschnittscharakter (Reisender in Textil) wächst ins Monströse und muß - zwangsweise - im Selbstmord enden. Ein nie begangener Mord wird ihm zur fixen Idee, er steigert sich in die wahnsinnige und wahnhafte Vorstellung einen beruflichen Konkurrenten getötet zu haben. Nicht direkt, aber durch einige Grausamkeiten, die er im Nachhinein als gewollt und geplant halluziniert. Die Fiktion der Gerechtigkeit fordert seinen Selbstmord, wird dadurch endgültig aber zur Farce. Die Existenz wird demaskiert, ihre Sinnlosigkeit hängt nackt und bloß am Fensterkreuz.

Eine unterhaltsame Groteske voll bösartiger Ironie. Die Sprache deftig wie das exzessive Gelage des Gerichtshofs.

Mag man halt, oder nicht.
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peter sense
BuchClubZwangsMitGlied/In


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Anmeldedatum: 14.12.2007
Beiträge: 2405

BeitragVerfasst am: 29.12.2012, 11:25:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Ignaz,

weiß nicht recht, ob ich Dürrenmatt "mag" und ob ich somit in Dein Pro-oder-contra-Schema passe. Ist sehr lange her, dass ich die "Physiker" oder den "Tunnel" gelesen habe, den Besuch der alten Dame als Film freilich habe ich in bester Erinnerung. Jedenfalls habe ich Deinen Beitrag zum Anlass genommen, ein wenig über Dürrenmatt hin und her zu klicken. Kommt alles auf die Liste "man könnte ja mal wieder ...".

Liebe Grüße und einen guten "Rutsch"

Peter Sense
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Ignaz Zwirngiebel
BuchClubZwangsMitGlied/In


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Anmeldedatum: 15.12.2007
Beiträge: 2494
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BeitragVerfasst am: 29.12.2012, 18:29:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Peter,

rutsch gut, aber nicht aus, und,

der alte Fritz ist immer eine Lesung wert! Laughing

Gruß
I.Z.!
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Forenking






Verfasst am: 29.12.2012, 18:29:49    Titel: Ähnliche Themen

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Ignaz Zwirngiebel
BuchClubZwangsMitGlied/In


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Anmeldedatum: 15.12.2007
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Wohnort: ja

BeitragVerfasst am: 01.01.2013, 10:34:12    Titel: Antworten mit Zitat

Ich hänge an: Der Winterkrieg in Tibet


Hier hat sich der Alte wohl ein bissl vergallopiert. Die Apokalypse eines 3. Weltkriegs ist schwer zu fassen, noch schwerer zu beschreiben. Doch das Schreckensgemälde, das der Alte hier entwirft ist doch ein wenig zu viel des Grotesken, Absurden, Plakativen. Nicht mit dem Pinsel, mit der Spachtel rührt er in diesem Text um. Wie ein junger Wilder gießt er ganze Kübel von greller Farbe über die globale Leinwand.

Vielleicht ist es auch unfair, mit dem Wissen von 2012 über einen apokalyptischen Text aus den 1980-er Jahren zu befinden. Zu naiv wirken die Beschreibungen der Folgen eines Atomkriegs, zu brachial-primitiv die Mechanismen einer chaotischen Nachkriegsordnung, zu gewollt die psychologische Zeichnung des Söldners. Wenn ein Wk III, dann sicher nicht so.

Aber dennoch leistet der Text viel. Vermittelt eine Ahnung der Zerstörungen, eine Schreckensvision der Folgen einer weltweiten Nuklearkatastrophe. Regt an, weiter im grausigen Feld der Möglichkeiten zu pflügen, die den Mächtigen zur Verfügung stehen. Die nackte Angst kann einen befallen, stellt man sich vor, wie groß die Kluft ist, zwischen dem möglichen Ausmaß an Zerstörung und der intellektuellen und ethischen Ausstattung derer, die darüber entscheiden.

In diesem Sinne, willkommen in der Wirklichkeit, Prost Neujahr.
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WinfriedFehm
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Anmeldedatum: 21.01.2008
Beiträge: 12

BeitragVerfasst am: 03.01.2013, 19:22:50    Titel: Re: Dürrenmatt 'Die Panne' Antworten mit Zitat

Ignaz Zwirngiebel hat Folgendes geschrieben:

In 'Die Panne' kippt eine alltägliche Begebenheit in ebendieses Groteske, Absurde. Ein banaler Durchschnittscharakter (Reisender in Textil) wächst ins Monströse und muß - zwangsweise - im Selbstmord enden. Ein nie begangener Mord wird ihm zur fixen Idee, er steigert sich in die wahnsinnige und wahnhafte Vorstellung einen beruflichen Konkurrenten getötet zu haben. Nicht direkt, aber durch einige Grausamkeiten, die er im Nachhinein als gewollt und geplant halluziniert. Die Fiktion der Gerechtigkeit fordert seinen Selbstmord, wird dadurch endgültig aber zur Farce. Die Existenz wird demaskiert, ihre Sinnlosigkeit hängt nackt und bloß am Fensterkreuz.

Eine unterhaltsame Groteske voll bösartiger Ironie. Die Sprache deftig wie das exzessive Gelage des Gerichtshofs.


Man kann das auch anders interpretieren; der Reisende wird sich seiner Schuld bewußt. Das ist ein erster Schritt (für ihn). Der zweite wäre, zu erkennen, daß das alles "halb so schlimm" ist, wie der andere Herr am Ende deutlich werden läßt ...
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Ignaz Zwirngiebel
BuchClubZwangsMitGlied/In


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Anmeldedatum: 15.12.2007
Beiträge: 2494
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BeitragVerfasst am: 04.01.2013, 06:21:06    Titel: Antworten mit Zitat

Kann man auch so lesen, wie du. Der Alte lässt das zum Glück zu. Oder offen. Wie man's nimmt. Wink
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Forenking






Verfasst am: 04.01.2013, 06:21:06    Titel: Ähnliche Themen

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