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Yuriko Yushimata

 
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peter sense
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Anmeldedatum: 14.12.2007
Beiträge: 2427

BeitragVerfasst am: 09.04.2012, 17:57:59    Titel: Yuriko Yushimata Antworten mit Zitat

Liebe Literaturfreunde,

über die Heise-Seiten, die ab + an auch mal eine literarische Geschichte bringen, wovon man etwa jede zehnte nícht nach ein paar Zeilen wegzuklicken braucht, sondern mit Lust und Genuss lesen kann, bin ich auf eine Autorin gestoßen mit dem schön japanisch klingenden Namen Yuriko Yushimata. Sie ist mit einem WEB-Imperium nicht unähnlich dem Paslamer verbandelt. Die Große Suchmaschine gibt z.Zt. eine Menge Treffer zu diesem Namen, als Zentrum ist nach kurzer Betrachtung folgende Kleinlandschaft im Netz auszumachen: www . irrliche . org/yuriko_yushimata . html

Dortselbst sind auch in mehreren technischen Ausführungen zwei größere Textgruppen downzuladen, unter das Motto "Social Fiction / Science Fiction Kurzgeschichten" gestellt, die durchaus an die Oberklasse heranreichen, wo sich beispielsweise auch mein persönliches Premium-Paradigma Stanislaw Lem tummelt.

Die Autorin, die ihre Texte ausdrücklich vom Urheberrecht freistellt und Kopie und Verbreitung wünscht, hält ihr Pseudonym nicht sonderlich geheim: Am Ende der beiden Online-Bücher "Religion Version 2.100" sowie "Virus Mutant" wird enthüllt, dass es sich um die französische Linguistin und feministische Philosophin Julia Kristeva handelt, die mit ihren Texten das "AutorInnen-subjekt im Prozess des Schreibens & Lesens eines Textes erzeugt ... [wodurch] die 'Erfindung der AutorIn' selbst Teil der Textpraxis" wird.

Nunja, ich habe das nicht weiter verfolgt, vielleicht ist es ja ein weiteres Fake, was ich zwar nicht annehme, aber relativ witzig fände. Was das große Binnen-I im "AutorInnen-subjekt" andeutet, kommt auch in den Texten zum Vorschein: eine gewisse Art von feministischen, zuweilen scheinradikalen Positionen, was mich als Mann ärgern könnte, wenn es keine gute Literatur wäre. Im Rahmen der literarischen Texte selbst erscheinen diese jedoch verkleidet im Gewande des Sprechens und Handelns von Personen, die dem Leser plausibel und lebendig entgegentreten. Die Texte, das sei ausdrücklich gesagt, sehen für mich nicht wie eine Exemplifizierung akademischer Dirskurse und Theorien aus, sondern wie brauchbarer Lesestoff eben, der auch schön im Rahmen des gewählten Genres bleibt.

Ich habe nun, bishierher schreibend, doch einmal die Große Onlineallwisserin G. um Infos zum Klarnamen der Autorin ersucht. Mir ward die Auskunft, dass sie ein erstaunlich vielseitiger Mensch und eine feste Größe in der linken Kultur Frankreichs ist; wäre meine Onlinemakse "Sense" beeindruckbar, dann wäre sie es jetzt. Ich halte mich weiter an Y. Yushimata.

Zunächst zum Viren-Pool, wovon ich etliche Geschichten gelesen habe. Die Viren sind die eigentlichen Herrscher, ihr Wille geschieht, der Mensch ist nur Substrat ihrer Evolution. Es mag ein Gedanke an Dawkins "egoistisches Gen" aufkommen. Explizit wird in mehreren Storys ausgeführt, wie das Virus die eigentliche Regie führt, was zuweilen recht pointierte Plots erlaubt. Wenn etwa die junge Frau von ihrem Liebhaber, dem Virenfan, sich mit den Worten trennt: "Ich glaube, unsere Virenstämme passen nicht zusammen". Häufig gehen die Sachen schief: Schutzimpungen rotten die Menschheit fast gänzlich aus, oder die Oberschicht, die sich die teuren medizinischen Virenbekämpfungsmaßnahmen noch leisten können, werden wegen verkümmerter Immunität von einer harmlosen Epediemie ganz dahingerafft.

Von den Religionsgeschichten habe ich bisher erst eine gelesen, und die hat mir gleich richtig gut gefallen: Das Interview mit einer Frau mit dem schönen Beruf der Religionsdesignerin. Hintergünde, Funktionsweisen, Strategien des Glaubenmachens - alles war drin. Wenn es auch dem Sense nicht so passen konnte, dass Wissenschaft, z.B. Evolutionsgeschichte, von dieser fabelhaften Dame ebenfalls als Glaubensgegenstand behandelt wurde. Was man dann aber auch wieder als Wissenschaftssatire durchgehen lassen könnte, wie überhaupt einige Anklänge an die eher angelsächsiche Tradition der Campuskommödie zu spüren sind. Wissenschaftsfarce ist ja auch bei Lem zuhauf.

So, nun muss ich Schluss machen, weiter lesen. Die Dinger sind halt verdammt schmissig konstruiert und süffig zu lesen, in vielen kleinen Geschichten-Häppchen. Holt sie Euch,

empfiehlt

Peter Sense
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peter sense
BuchClubZwangsMitGlied/In


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Anmeldedatum: 14.12.2007
Beiträge: 2427

BeitragVerfasst am: 10.04.2012, 16:22:59    Titel: Antworten mit Zitat

Nun habe ich die Virengeschichten alle gelesen. Sie sind vielleicht doch manchmal ein wenig klapprig, auch wenn die Plots laufen wie gut geölte Minimaschinen. Mein großes Beispiel Lem setzt eben die Sarkasmen schnittiger, die Fiaskos desaströser und das Personal obsessiver.
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Verfasst am: 10.04.2012, 16:22:59    Titel: Ähnliche Themen

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