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Hans Fallada

 
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Marquis de Josilin
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Anmeldedatum: 29.12.2007
Beiträge: 340
Wohnort: Morhiban/Oberpfalz

BeitragVerfasst am: 18.06.2011, 02:56:48    Titel: Hans Fallada Antworten mit Zitat

Hallo!!

"Der Trinker", 1944

Hans Fallada hat Folgendes geschrieben:
Schnaps ist etwas sehr Gutes – wie schade, daß ich so viele Jahre versäumt habe, in denen ich hätte Schnaps trinken können.


Alles andere als beruhigend ist Hans Falladas Biografie, der Zeit seines Lebens drogensüchtig war und auch ein Alkoholiker. Sein posthum erschienener Roman „Der Trinker“, den Fallada 1944 in einer Entziehungsanstalt verfasste, ergreift die Tragik seines Lebens: Die Sucht nach der Flasche. Im Roman wird Erwin Sommer beschuldigt, seine Frau angedroht zu haben, sie zu erwürgen. Vor der Niederschrift des Romans wurde Fallada wegen versuchten Totschlags an seiner geschiedenen Ehefrau angeklagt.

Erwin Sommer ist Kaufmann, steht kurz vor der Pleite, er leidet auch unter seiner Frau Magda, die eine starke Persönlichkeit ist, er sich ihr gegenüber untergraben fühlt, Magda nun bemüht ist, die Firma Erwin Sommers wirtschaftlich wieder hochzupäppeln, währenddessen Herr Sommer aber immer öfter zur Flasche greift, zu Schnaps und Korn, Fallada den rasant schnellen Absturz des angesehenen Kaufmanns erzählt, der hoffnungslos seiner Sucht verfällt.

Hans Fallada hat die Suchtkrankheit selbst durchschaut, sonst hätte er den Roman, so wie er uns vorliegt, nie schreiben können. Er kennt die Tricks, wie man Alkoholika versteckt und erzählt, wie man als Trinker den Blick für die Realität verliert bis hin zu wahnhaften Zügen. Im Film versteckt Harald Juhnke Flaschen im Spühlsystem der Toilette. Was für ein Einfall, wer sieht dort schon nach? Heimlich zu trinken in unmittelbarer Nähe anderer, vor allem in unmittelbarer Nähe seiner Frau, stellt für Herrn Sommer einen besonderen Reiz dar und führt zu grotesken Szenerien:

Hans Fallada hat Folgendes geschrieben:
Einmal als mir gar nichts anderes einfiel, ging ich sogar soweit, daß ich heimlich in ihrer Gegenwart – der Schreibtisch deckte mich gegen Sicht – die Flasche entkorkt auf den Boden stellte, dann den Radiergummi zu Boden fallen ließ und ihn mir umständlich suchte., zuletzt auf allen vieren, wobei ich unter der Wölbung des Schreibtisches, sehr vergnügt über meine List, beträchtlichen Kognak in mich hineingluckern ließ.


Erwin Sommers Aufenthalt im Gefängnis und in der psychiatrischen Heilanstalt fand ich nicht mehr so interessant. Der Roman wird immer aktuell bleiben, weil Hans Fallada sehr realistisch die Auswirkungen der Alkoholsucht darstellt, und am Beispiel des Herrn Sommers aufzeigt, wie Trinker agieren, wie tief sie fallen können. Was man in Fachbüchern trocken nachlesen kann, wird hier lebendig. Wenn ich an die Heilanstalt zurückdenke, macht mich nur eines stutzig und erinnert mich daran, dass der Roman im Jahre 1944 entstand. Die Insassen der Anstalt sind unterernährt, unsauber. Es grassiert Furunkulose, Tuberkulose. „Irgendwelche Gefühle wurden an einem Erkrankten oder Sterbenden nicht verschwendet.“, heißt es. Dem Oberpfleger schienen Kranke unnütz. Fallada lässt Erwin Sommer betätigen, der Oberpfleger habe damit nicht einmal unrecht. Was für eine vergiftete Zeit.[heul]

In der Warteschleife liegt bei mir noch "Jeder stirbt für sich allein".

Liebe Grüße
Le Marquis
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harry hoekstra
BuchClubZwangsMitGlied/In


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Beiträge: 769

BeitragVerfasst am: 18.06.2011, 09:31:19    Titel: Antworten mit Zitat

Ich freu mich immer, dass Fallada - einer meiner liebsten Autoren - immer noch gelesen wird. Danke für die Erinnerung an den "Trinker", Martin.
Das ist eines seiner besseren Bücher, zweifellos, weil er auch im Trinker selbst Erlebtes verarbeitete.

Bin schon gespannt auf Deine Rezension zu "Jeder stirbt für sich alleine", der Roman ist für mich das beste Werk Falladas, ich hab es seinerzeit in in einer Urlaubsnacht auf einen Sitz gelesen. Ich las kürzlich, dass nun eine ungekürzte Neu-Fassung erschienen ist - und wusste gar nicht, dass mein Exemplar eine gekürzte Fassung ist.
Grund genug, ihm mal wieder eine Urlaubsnacht zu widmen.

Übrigens: Eine der wohl traurigsten, weil demütigsten Szenen im - an traurigen Szenen nicht armen - Leben des HF war einer seiner letzten "Auftritte", kurz vor seinem Tod. Als Wrack in einem Rollstuhl sitzend, wurde Fallada einer Klasse von Medizinstudenten vorgeführt. Der Professor erklärte den Studenten: "Das, meine Herren, was Sie hier sehen, ist der bekannte Schriftsteller Hans Fallada, oder vielmehr das, was die Sucht nach dem Rauschgift aus ihm gemacht hat - ein Appendix."
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Marquis de Josilin
Flohmarktbuchabstauber/In


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Beiträge: 340
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BeitragVerfasst am: 19.06.2011, 10:55:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Harry,

ich werde erstmal sein Drogenbüchlein "Sachlicher Bericht über das Glück, ein Morphinist zu sein" lesen., dann habe ich im Juli zwei Leserunden zu bewältigen, danach lese ich "Jeder stirbt für sich allein". Versprochen.

Liebe Grüße
marquis de josilin
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Dotschi G.
Flohmarktbuchabstauber/In


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BeitragVerfasst am: 20.06.2011, 22:55:02    Titel: Re: Hans Fallada Antworten mit Zitat

Marquis de Josilin hat Folgendes geschrieben:
Was man in Fachbüchern trocken nachlesen kann, wird hier lebendig. Wenn ich an die Heilanstalt zurückdenke, macht mich nur eines stutzig und erinnert mich daran, dass der Roman im Jahre 1944 entstand. Die Insassen der Anstalt sind unterernährt, unsauber. Es grassiert Furunkulose, Tuberkulose. „Irgendwelche Gefühle wurden an einem Erkrankten oder Sterbenden nicht verschwendet.“, heißt es. Dem Oberpfleger schienen Kranke unnütz. Fallada lässt Erwin Sommer betätigen, der Oberpfleger habe damit nicht einmal unrecht. Was für eine vergiftete Zeit.[heul]


Hallo Marquis de Josilin !

Was macht dich daran stutzig? Die Anstalten waren 1944 durch die T4 Aktion 1940/41 fast ausgeräumt, die Insassen vergast, die dort gebliebenen bewusst ausgehungert. Unter dem Grauenregime hieß das unwertes Leben.
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Marquis de Josilin
Flohmarktbuchabstauber/In


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BeitragVerfasst am: 24.06.2011, 07:27:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Dotschi G.

Das mit dem stutzig sein meinte ich so: Ich war mir im ersrten Moment nicht bewusst, in welcher Zeit der Roman spielt, darum habe ich mich über die Zustände in der Anstalt gewundert. Dann fiel mir wieder ein: 1944 (dann war ich nicht mehr stutzig.).

Liebe Grüße
mArquis de josilin
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Verfasst am: 24.06.2011, 07:27:07    Titel: Ähnliche Themen

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