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Ertrinken

 
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Sam
Wort-Exhibitionist/In


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Anmeldedatum: 20.12.2007
Beiträge: 96

BeitragVerfasst am: 01.07.2009, 16:41:16    Titel: Ertrinken Antworten mit Zitat

Ertrinken


Beim Versuch die Knoten der Kindheit zu lösen falle ich ins Meer


Wasser und Salz
löschen Linoleumlieder
brennen aus den Augen
die Angst vorm Vatermord

Kein Fisch verschluckt mich
nur heranschwimmende
Dunkelheit

bis zum Grund
der lose
auf noch viel
viel tieferen Wassern liegt

so finster

finster

finster

und ich dort völlig
unbehelligt
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Oedipa Maas
Kaffeekasseneinzahler/in


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Anmeldedatum: 12.11.2008
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 01.07.2009, 20:04:40    Titel: Antworten mit Zitat

Letzte Woche auf einem T-Shirt gelesen:

Oedipus
the only true motherfucker!

LG

OM

PS: HUW, bitte interpretieren Sie und vergessen Sie nicht den verdrängten Penis des Vaters in Spiel zu bringen.
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peter sense
BuchClubZwangsMitGlied/In


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Anmeldedatum: 14.12.2007
Beiträge: 1007

BeitragVerfasst am: 02.07.2009, 18:19:01    Titel: Antworten mit Zitat

Ja!

Wenn ich nur wüsste, was "Linoleumlieder" sind. Der Fußbodenbelag, der singt, wenn man mit gewissen Schuhsohlen darüber schleicht, mit schändlich ödipalen Zielen im Sinn?

Ach, wenn ich's nur wüßt, würd's auch gar nicht weiterverraten.

Grüße,
Peter Sense
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Sam
Wort-Exhibitionist/In


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Anmeldedatum: 20.12.2007
Beiträge: 96

BeitragVerfasst am: 15.07.2009, 16:25:55    Titel: Antworten mit Zitat

Sorry Peter, hab dich ganz vergessen Embarassed



Zitat:
Der Fußbodenbelag, der singt, wenn man mit gewissen Schuhsohlen darüber schleicht,


Das könnte doch durchaus ein Ansatz sein...


Danke fürs Lesen!


Liebe Grüße

Sam
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GRaefinjutsch
BuchClubZwangsMitGlied/In


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Anmeldedatum: 07.07.2009
Beiträge: 747

BeitragVerfasst am: 15.07.2009, 16:52:43    Titel: Antworten mit Zitat

Warum kommt die Mutter nicht vor?
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Denny Laquette
Flohmarktbuchabstauber/In


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Anmeldedatum: 15.12.2007
Beiträge: 332
Wohnort: Absinthklinik; Station B; Sicherheitstrakt

BeitragVerfasst am: 15.07.2009, 19:18:33    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Warum kommt nicht die Mutter vor?


Der Oedipus heißt Oedipus,
weil er auf die Mutter muß.

Die Oedipa heißt Oedipa,
weil es, oh Schreck, der Vater war.
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Oedipa Maas
Kaffeekasseneinzahler/in


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Anmeldedatum: 12.11.2008
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 16.07.2009, 03:12:56    Titel: Antworten mit Zitat

Der Vater muss im Traume sterben oder in der Phantasie
oder in der Mythologie,
damit Oedipus mit der Mutter
vereint sein kann.

Nein, die Mutter wurde nicht erwähnt.

Wahrscheinlich sitzt die gute Frau schon wach alleine am Küchentisch, mit einer Zigarette und brühwarmen Kaffee. Was denkt Sie wohl, wenn sie so in die Leere schaut? Es sind zwei Stunden Zeit bis sie zur Arbeit muss. Kaffee und Zigaretten und der Blick ins Leere, das nach und nach angefüllt wird mit Bildern aus der Vergangenheit, unzusammenhängend ziehen sie an ihr vorbei, vielleicht ist ein Kribbeln dabei, ein Geruch, eine verpasste Gelegenheit, oder gar nichts von alledem.
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Oedipa Maas
Kaffeekasseneinzahler/in


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Anmeldedatum: 12.11.2008
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 16.07.2009, 03:48:49    Titel: Antworten mit Zitat

zum Text:

Das Gedicht beginnt mit einem einleitenden, sehr bildstarken Satz:


Zitat:
Beim Versuch die Knoten der Kindheit zu lösen falle ich ins Meer


Zitat:
Wasser und Salz
löschen Linoleumlieder
brennen aus den Augen
die Angst vorm Vatermord


Das Meer oder vielleicht Tränen löschen Linoleumlieder, die Rätsel aufgeben. Tränen, die die Angst vorm Vatermord aus den Augen brennen. Die Angst das Vater stirbt, die Angst Vater zu ermorden, oder das jemand Vater umbringen könnte? Wir erfahren nichts über das Motiv der Angst.

Mit einem bildgewaltigen Satz beginnt die nächste Strophe

Zitat:
Kein Fisch verschluckt mich
nur heranschwimmende
Dunkelheit



Zitat:
bis zum Grund
der lose
auf noch viel
viel tieferen Wassern liegt

so finster

finster

finster

und ich dort völlig
unbehelligt



Es geht hinab in die Eingeweide des Meeres und mit der Wiederholung, die den Eindruck von Tiefe und Dunkelheit noch verstärkt, verdunkelt sich das Gemüt.
Die überraschende Wendung folgt zugleich. Das letzte Wort weist auf etwas Positives hin, ein Lichtblick sozusagen. Das Ich bleibt "unbehelligt" in der Finsternis.

Gruß

OM
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GRaefinjutsch
BuchClubZwangsMitGlied/In


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Anmeldedatum: 07.07.2009
Beiträge: 747

BeitragVerfasst am: 16.07.2009, 06:21:50    Titel: Antworten mit Zitat

Oedipa Maas hat Folgendes geschrieben:

Wahrscheinlich sitzt die gute Frau schon wach alleine am Küchentisch, mit einer Zigarette und brühwarmen Kaffee. Was denkt Sie wohl, wenn sie so in die Leere schaut? Es sind zwei Stunden Zeit bis sie zur Arbeit muss. Kaffee und Zigaretten und der Blick ins Leere, das nach und nach angefüllt wird mit Bildern aus der Vergangenheit, unzusammenhängend ziehen sie an ihr vorbei, vielleicht ist ein Kribbeln dabei, ein Geruch, eine verpasste Gelegenheit, oder gar nichts von alledem.


Oh mein Gott, das geht mir jeden Morgen so! Nur ohne Zigarette...

Was dann in mir vorgeht? Phrasengleich erscheinen immer mal wieder solch Worte wie: Er ist noch so jung...so groß und männlich, doch so jung, neulich noch hab ich ihn doch...gesäugt, wars gestern erst, ach was, letzte Woche .... Und in Gedanken füge ich seinem zarten Gesicht Bartstoppeln, Reife und vielleicht eine Lesebrille zu und erfreue mich daran.

Vielleicht fehlt mir deshalb die Mutter in dem Text. Auf mich wirkt er zu lose. Einzelne Worte wie hingeworfen.
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Poeta
Wort-Exhibitionist/In


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Anmeldedatum: 15.12.2007
Beiträge: 87
Wohnort: Aichwald

BeitragVerfasst am: 16.07.2009, 14:38:52    Titel: Antworten mit Zitat

In der Finsternis: unbe h e l l i g t - welch gewaltiges Bild, welcher Trost, welche Nicht-Aussicht (denn ohne Helligkeit auch kein - traditionell wenigstens - Sehen.

Man könnte auch sagen: im Trüben fischen ... Wink

Liebe Grüße
Poeta
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